von Gastautorin Gerda Tetzlaff

Gerda Tetzlaff studiert Modedesign an der Kunsthochschule in Halle:

Meinen Spaziergang beginne ich am Solebad Wittekind. Es gehörte ursprünglich zum Kloster zum Neuen Werck und war bis zur Reformation das religiöse Zentrum Halles. Die natürliche Quelle war damals Pilgerort für Menschen, die sich Heilung erhofften. In den Neubauten des 19. Jahrhunderts war der Philosoph Friedrich Nietzsche zu Gast. Nachdem das stark baufällige Bad 1992 geschlossen wurde, wurden die Ruinen wieder zum Pilgerziel für Hobbyfotografen, die die morbide Stimmung einfangen wollten. Seit 2014 beherbergt das Solebad exklusive Eigentumswohnungen.

Die hohen Villen der Wittekindstraße im Rücken, gehe ich links einen Weg in den Park, in Reichardts Garten, auch die »Herberge der Romantik« genannt. Johann Friedrich Reichardt war ein musikalisches Wunderkind und er kostete Sturm und Drang, Aufklärung und Weimarer Klassik voll aus: Konzertreisen allein und mit dem Vater, Kontakt zu Immanuel Kant, zum Alten Fritz, zu Johann Wolfgang von Goethe und zu vielen anderen. Ein Globetrotter, Lebemann und Netzwerker. Hier in seinen Garten lud er die kulturellen Größen seiner Zeit ein.

Ich wähle den unteren Weg durch den Park und gehe über den Wasserweg hinunter zur Saale. Dort geht es links entlang weiter. Über der Kröllwitzer Brücke thront die Ruine der Burg Giebichenstein. Sie diente als befestigte Wehranlage über Halle vor Gründung des Schlosses Moritzburg. Von der Oberburg steht nur noch der Torturm.

Die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Halle bezog 1922 unter der Leitung des Architekten Paul Thiersch Räume in der Unterburg. Es entstanden beispielsweise Klassen für Malerei, Fotografie, Grafik, Architektur und Textilgestaltung. Design ist heute noch ein Hauptbereich der Burg Giebichenstein Kunsthochschule. Ich genieße es, gelegentlich durch diese immer öffentliche Ausstellung zu gehen, wo Studierende vergangener Burg-Generationen ihre Abschlussarbeiten ausstellen.

Gut zu wissen

Burg Giebichenstein, Oberburg, Seebener Str. 1, 06114 Halle (Saale), www.halle.de/de/Kultur/Freizeit/, Öffnungszeiten: März bis Oktober, Di. – Fr. 10 bis 18 Uhr, Sa. – So. und an Feiertagen 10 bis 19 Uhr, Anreise: Haltestelle Emil-Eichhorn-Straße, Straßenbahn (Linie 8). Ausgangspunkt Spaziergang: Haltestelle Kurallee, Straßenbahn (Linien 3, 12).

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Ein Spaziergang von Reichardts Garten zur Burg Giebichenstein 51.503069, 11.953961 Burg Giebichenstein bei Halle an der Saale, Seebener Str. 1, 06114, Halle (Saale), Deutschland (Routenplaner)