von Gastautor Philipp Jahn

Der Kunsthistoriker ist Kurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter im MuseumSchloss Neuenburg:

Mehr als 1.000 Jahre lässt sich die Weinkultur an Saale und Unstrut zurückverfolgen, die ottonischen Herrscher des Mittelalters liebten den Wein ebenso wie später die Wettiner. Die Kunst des Rebenanbaus und des Kelterns der Trauben hielt mit der Christianisierung im nördlichen Mitteleuropa Einzug. Die sonnigen Hanglagen entlang der Flusstäler waren wie gemacht für die Kultivierung von Rebstöcken, ihre Pflege und die Verarbeitung der Trauben gehörte zum täglichen Tagwerk der Mönche in Klöstern wie Goseck, Zscheiplitz, Reinsdorf, Memleben oder Pforta.

Wein war im Mittelalter aber längst nicht nur ein Privileg der Herrschenden, sondern auch  Ernährungsgrundlage der Bevölkerung – ebenso wie das Bier. Denn (sauberes) Trinkwasser war knapp und ließ sich kaum lagern. Jedoch unterschied sich der Wein von damals in Alkoholgehalt, Sorten und deutlich im Geschmack von dem, den wir heute kennen. Jedes Kloster und jede Kellerei kelterte und würzte den Wein nach einer eigenen Rezeptur.

Über die Jahrhunderte entstand an Saale und Unstrut eine mediterran anmutende Kulturlandschaft mit Terrassen und Trockenmauern aus Bruch- und Kalksteinen, die der Region bis heute einen ganz besonderen Charme verleihen. Eine Besonderheit sind die Weinbergshäuschen: Ursprünglich als Geräteschuppen und Unterschlupf vor widrigem Wetter errichtet, mauserten sich die vormals kleinen Hütten der wohlhabenden Winzer zu immer individuelleren Bauwerken bis hin zu prächtigen Wohnhäusern. Dabei war und ist die landwirtschaftliche Struktur kleinteilig. Die Ländereien wurden durch Erbfolge immer weiter aufgeteilt, so dass mit der Zeit zahlreiche kleine Parzellen entstanden. Von der Terrasse des Brunnenhofes vor unserem Museumsladen aus kann man diese gut erkennen und dabei ein ständig wechselndes Angebot an Weinen kleiner Weingüter aus der Umgebung probieren.

Zum 20-jährigen Jubiläum der Weinstraße Saale-Unstrut haben wir gemeinsam mit Studenten der Kunstgeschichte eine Sonderausstellung zur Darstellung der Gottheit Bacchus konzipiert, der kulturhistorisch ja repräsentativ für die weltlichen Genüsse steht.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Saale- Unstrut- Tourismus e.V.

Gut zu wissen

Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Museum Schloss Neuenburg, Schloss 1, 06632 Freyburg (Unstrut), www.schloss-neuenburg.de. Öffnungszeiten: April bis Oktober, Mo. – So. 10 bis 18 Uhr; November bis März: Di. – So. 10 bis 17 Uhr. Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließung. Die Sonderausstellung »Bacchus – Gott des Weines« ist vom 25. August bis zum 18. November 2018 im Weinmuseum des Landes Sachsen-Anhalt auf Schloss Neuenburg zu sehen. Anreise: Bahnhof Freyburg, Regionalbahn (Linie 77), Fußweg zum Schloss: 15 Min.

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Von historischen Kulturlandschaften und göttlichen Getränken 51.208685, 11.775842 Museum Schloss Neuenburg, Schloss 1, 06632 Freyburg (Unstrut) (Routenplaner)