Flüsse sind wie Adern in der Landschaft. Sie transportieren viel Wasser und oben drauf Menschen in Schiffen. Neben ihnen verlaufen meist Wege über die schon im Mittelalter mit Eisen beschlagene Wagen rumpelten. Kein Wunder also, dass sich an ihren Ufern häufig Städte befinden, in denen Fürsten residiert haben und neue Denkrichtungen in alle Landesteile ausgeströmt sind. So spannte sich auch Anfang des 16. Jahrhunderts eine wichtige Achse zwischen Torgau und Wittenberg entlang der Elbe.

An der Universität in Wittenberg, an der Leucorea, entwickelte Martin Luther vor lauter Verzweiflung über seine Entfernung zu Gott 95 Thesen und schlug diese im Jahr 1517 an die Tür der Schlosskirche. Der Aufruhr war im sicher und er brauchte starke Unterstützer für die Ideen der Reformation. Die fand er im 55 Kilometer entfernten Torgau. Dort saßen im Schloss Hartenfels die ernestinischen Kurfürsten. Friedrich der Weise von Sachsen handelte seinem Namen entsprechend und hatte 1502 die Universität in Wittenberg gegründet und damit einen Grundstein zu neuen Denkrichtungen gelegt. Die aktuelle politische Landschaft eines nimmersatten Kirchenstaates in Rom und ein schwächelnder Kaiser bewogen ihn dazu, die reformatorischen Ideen Luthers zu unterstützen. Diese Verbindung sieht man schon allein daran, dass Luther über 40 Mal in seiner Kutsche an der Elbe entlang von Wittenberg nach Torgau rollte. Persönlich empfangen hat der Kurfürst den Reformator nie. Das war ihm theologisch dann doch zu heikel.

Heute bietet der gut ausgebaute Elberadweg die Möglichkeit, an einem Wochenende wichtige Orte der Reformation mit dem Rad zu erkunden. Das mittelalterliche Städtchen Torgau ist dafür ein guter Startpunkt. Im Schloss befindet sich der erste protestantische Kirchenbau, geweiht von Luther persönlich und in der Kirche St. Marien hat die Frau Luthers, Katharina von Bora, ihre letzte Ruhestätte gefunden. Durch weite Elbauen, vorbei an der kleinen Elbschifferkirche in Priesitz, führt der Radweg nach Wittenberg, das förmlich überquillt an Erinnerungsorten und gleichzeitig Möglichkeiten zur Übernachtung bietet. Nach so viel Historie tut es mir persönlich gut, am nächsten Tag die reformatorische Rückbesinnung auf ursprüngliche Formen im nur gut 38 Kilometer entfernten Dessau in der weltlichen Auslegung durch das Bauhaus zu erleben. Und Bücherwürmer finden hier auch noch unzählige Originalschriften Luthers in der Fürst-Georg-Bibliothek.

Gut zu wissen

Empfohlene Tagesausflüge auf dem Elberadweg: Zwischen Torgau und Wittenberg (71 km) bzw. von Wittenberg nach Dessau (38 km), www.elberadweg.de. Anreise: In Torgau, Wittenberg und Dessau-Roßlau gibt es Regionalbahnhöfe. Die Städte sind auch untereinander verbunden. Download: GPX-Routen für beide Streckenabschnitte.

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Von Torgau nach Dessau - Orte der Reformation am Elberadweg 51.701502, 12.823792 Bahnhof, Dr.-Külz-Ufer, 04860 Torgau (Routenplaner)