Das Ende kam mit der Reformation. 1568 wurde das dem heiligen Kreuz geweihte Nonnenkloster der Benediktinerinnen aufgelöst. An der Elbe nördlich des Meißner Burgberges begann der Verfall der Klostermauern, die schließlich im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) zerstört wurden.

Ich kenne die Klosterruine als Platz zum Feiern und als Theaterkulisse. Vor allem aber ist der Ort mit dem weitläufigen Garten und alten Mauern eine idyllische grüne Insel. Und auch das hat seine Geschichte. Seit 1994 ist das Gelände Sitz des Meißner Hahnemannzentrum e.V. einer Institution mit einem ungewöhnlichem Profil: Öffentliche Gesundheitspflege, Denkmalpflege und Naturschutz.

Das wiederum hat mit dem Namensgeber zu tun. Christian Friedrich Samuel Hahnemann wurde 1755 als Sohn eines einfachen Porzellanmalers geboren. Der wissbegierige und sprachbegabte Bürgersohn schaffte es bis an die Fürstliche Landesschule St. Afra in Meißen und begann 1775 ein Medizinstudium in Leipzig. Danach folgte eine Odyssee durch Mitteldeutschland. Der ehrgeizige aber oft auch mittellose Gelehrte praktizierte mit wechselndem Erfolg als Arzt, Apotheker oder Übersetzer medizinischer Werke. Besonders wichtig waren ihm Experimente zur Behandlung von Krankheiten mit unterschiedlichen Heilmitteln und die Untersuchung ihrer Wirkung.

Ab 1811 veröffentlichte Hahnemann Schriften zur Arzneimittellehre und zur »rationellen« Heilkunde. Damit wurde Hahnemann zum Begründer der Homöopathie. Bis heute hat diese alternativmedizinische Behandlungsmethode sowohl Befürworter als auch Gegner. Doch als Hahnemann 1843 in Paris starb, war er ein angesehener Arzt, der sogar Niccolò Paganini behandelte.

In der Klosterruine versucht der Verein wie sein Namensgeber alternativ und vielfältig zu arbeiten. Hier finden sowohl Weiterbildungen und Ausstellungen zur Naturheilkunde statt, es werden archäologische Grabungen durchgeführt oder Veranstaltungen für gesellschaftliche Randgruppen organisiert. Die Metapher von der »Heilbehandlung« an Gebäuden und Menschen passt sehr gut zu diesem Ort. Zu spüren ist das besonders gut im Sommer bei den Veranstaltungen zwischen den alten Klostermauern und wenn es im Kräutergarten blüht und duftet.

Gut zu wissen

Meißner Hahnemannzentrum e.V. in der Klosterruine »Heiliges Kreuz«, Leipziger Straße 94, 01662 Meißen, www.hahnemannzentrum-meissen.de, Tel. +49 (0)351 400234, Öffnungszeiten Mo – Fr. 8 bis 15 Uhr. Thematische Führungen durch die Klosteranlage und den Apothekergarten sind nach Voranmeldung möglich. Der Verein organisiert verschiedene Seminare zur Homöopathie sowie Kultur- und Bildungsveranstaltungen, besonders auch für Kinder. Anreise: Hauptbahnhof Meißen, S-Bahn (Linie S1), weiter zu Fuß oder mit dem Rad auf dem Elberadweg.

Karte wird geladen - bitte warten...

Heilung und Bildung im Klostergarten 51.174746, 13.457630 Leipziger Straße 94, 01662 Meißen (Routenplaner)