Gemeinwohl-MatrixHeute unsere zweite Sitzung der „AG nachhaltig“. Ausgangspunkt ist, wie angekündigt, die Gemeinwohl-Matrix, und zwar das Feld (E1) Sinn und gesellschaftliche Wirkung der Produkte/Dienstleistungen. Als Hilfestellung ziehen wir das Handbuch zur Gemeinwohlbilanz zu Rate, das auf den Downloadseiten zu finden ist.

Sehr sympathisch in der Anwendbarkeit für Kleinunternehmen und Start-ups: Die Bilanzierung kann stufenweise vorgenommen werden. „Erste Schritte“, „Fortgeschritten“, „Erfahren“ und „Vorbildlich“ sind die einzelnen Reifegrade überschrieben. Gut, gehen wir die „Ersten Schritte“.

Wir versuchen uns an einer ersten Einordnung in die Bewertungshilfe. Eine 3-spaltige Tabelle. Wir definieren zwei Produktklassen. Erstens die gedruckten Reiseführer mit Beiträgen lokaler Scouts und zweitens die digitale Version der Reiseführer (E-Book, App und Webseite) für mobile Endgeräte und Desktops. Jetzt wird es ernst. Wie vielen Fragen aus dem Handbuch können wir bzw. unsere Produkte standhalten? Wir merken schnell, dass wir unter uns erhöhten Diskussionsbedarf haben.

 

Sinn und gesellschaftliche Wirkung unserer Produkte – unserer Ergebnisse:

  • Deckt das Produkt/Dienstleistung (P/D) einen Grundbedarf und ist lebensnotwendig (Dient es einem einfachen Leben, einem guten Leben, oder ist es Luxus)?
    Da steht uns schon das erste Fragezeichen im Gesicht: Was sind denn die Grundbedürfnisse? Wer hat sie definiert. Ein Herr namens Manfred A. Max-Neef, chilenischer Wirtschaftswissenschaftler, hat das durchleuchtet, es sind neun an der Zahl. Wir kommen zu dem Schluss, dass davon drei von unseren Produkten berührt werden: Beziehung im Sinne von Naturverbundenheit, Bildung und Freizeit/Entspannung. Alles in allem können wir für unsere beiden Produktvarianten nicht reklamieren, dass sie einem „einfachen Leben“ dienen, eher einem „guten Leben“, „Luxus“ scheinen sie für uns jedoch nicht zu sein. Oder ist da jemand anderer Meinung?
  • Welche positive Wirkung auf Mensch, Gemeinschaft und Erde haben unsere Produkte?
    Dazu kommen wir auf insgesamt drei Erkenntnisse:
    A) Unsere Reiseführer liefern einen Beitrag zu Bildung und Information von Reisenden über unterschiedliche regionale Perspektiven der lokalen Bewohnerinnen und Bewohner. Sie tragen so zu einer besseren Verständigung zwischen Reisenden und „Locals“ bei. Das trifft besonders auf unsere Reiseführer in Grenzgebieten wie dem Oder-Neiße-Radweg zu, aber auch zwischen „Städtern“ und „Landbewohnern“ sehen wir Verständigungsbedarf.
    B) Unsere Reiseführer können Reisenden Orientierung geben, wie sie ihre Reisen nachhaltig gestalten können – kleine praktikable Anstöße im Dschungel der abstrakten Begrifflichkeiten und normativen Ansprüche beim Thema „Nachhaltigkeit“.
    C) Und schließlich prägen Reiseführer auch immer ein bisschen die Wahrnehmung der Reisenden zu einer Region. So können unsere Reiseführer den Blick leiten auf nachhaltige Initiativen im Tourismus. Besuchenswerte Orte, an denen Menschen sich darüber Gedanken machen, wie sie ihr Umfeld und die Ressourcen der Natur schonend behandeln können.
  • Welche möglichen bzw. tatsächlichen negativen Folgewirkungen haben unsere Produkte?
    Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Das wollen wir nicht einfach so übersehen. Mit unseren Produkten sind wir mit einem grundsätzlichen Widerspruch im Tourismus konfrontiert: Unsere Scouts schreiben über ihre persönlichen Entdeckungen und Orte in einer Stadt, einer Region. Das heißt, sie „zeigen“ diese den (zukünftigen) Besuchern. Diese Orte sind nicht unbedingt auf einen Besucherstrom von Touristen ausgelegt. Es könnten mehr Besucher werden. Das hat Einfluss auf die Ökologie, auf die regionale Infrastruktur. Am Anfang könnte mehr kaputt gehen als man das eigentlich will. So lange, bis kommunale Einrichtungen (oder andere Akteure) gegensteuern, hier ein „Scheißhaus“ aufstellen, dort einen Parkplatz anlegen. Da bleibt uns nur, dafür zu sensibilisieren, dass Besucher einen Einfluss auf die Besuchten (Orte) haben. Immer. Ob dies positive oder negative Folgen für eine Region hat, das liegt in der Hand regionaler Akteure.
    Und noch etwas impliziert unser Produkt, zumindest unsere digitalen Versionen: Wir gehen davon aus, dass unsere Leserinnen und Leser immer besser mit mobilen Endgeräten ausgestattet sind, sich also dem allgemeinen „Elektronik-Konsum“ nicht verwehren. Wir bieten ihnen die entsprechend aufbereitete Lektüre für unterwegs auf Reisen. Auf das Tablet, auf das Handy oder den E-Reader. Und tragen dadurch indirekt dazu bei, dass die Nutzung und Ausstattung dieser Geräte noch mehr in den Alltag Eingang finden, bzw. nicht mehr daraus wegzudenken sind. Geräte, deren Produktion meist weder besonders ressourcenschonend noch human (Arbeitsbedingungen) erfolgt.

Was wir als Unternehmen tun können? Wir versuchen den Bereich „Technologie auf Reisen“ etwas näher zu beleuchten. Mit einem möglichst nachhaltig produzierten Smartphone, dem fairphone machen wir dazu den Anfang.

 

Unser Fazit:

Die Beschäftigung mit der GWÖ-Matrix fordert uns heraus – und zieht uns gleichzeitig an. Langsam lichtet sich für uns das Gewirr an Begrifflichkeit und Ableitungen, vor allem aber gibt sie uns für unsere eigenen Arbeit Bewertungsraster an die Hand.

Das war der erste Schritt, der nächste folgt dann bald…