von Gastautor Matthias Wagner

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtmuseum Gera:

Was trieb Menschen immer wieder in die Ferne? Was bewog sie, ihre Heimat zu verlassen und vielleicht nie wiederzukehren? Warum zog es andererseits Menschen aus fremden Kulturkreisen hierher?

Die Beweggründe des Geraers Walter Stötzner für seine langjährigen Reisen durch Asien waren sicher ganz persönliche: Neugier und Forscherdrang lockten den Entdecker in weitgehend unerschlossene Gebiete, unter anderem nach Tibet und das nördliche China. Zwischen 1907 und 1930 unternahm Stötzner fünf Expeditionen, kartografierte die bereisten Gebiete, entdeckte unbekannte Tierarten und betrieb völkerkundliche Studien.

Persönliche Neugier war jedoch eher die Ausnahme für den Aufbruch ins Unbekannte. Oft waren es politische Entwicklungen und Entscheidungen, die Wanderungsbewegungen auslösten oder mit Gewalt veranlassten. So führten Glaubenskriege in Europa seit dem 16. Jahrhundert zu Diskriminierung und Ausweisung Andersgläubiger. Kolonisationsprojekte, die im 18. Jahrhundert die Weiten Ostpreußens und Russlands bevölkern sollten, zogen Verarmte, Verfolgte und Abenteurer aus ganz Europa an, so auch den Geraer Zeugmacher Christian Gottlob Züge.

Die Kolonialpolitik des wilhelminischen Kaiserreiches führte ab 1884 zum Einsatz deutscher Zivil- und Militärbehörden in Afrika und der Südsee. Die etwa 11 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene schließlich, welche ab 1944 die ehemaligen deutschen Ostgebiete verließen, sind eine direkte Folge nationalsozialistischer Politik in Deutschland.

Die aktuelle Sonderausstellung des Stadtmuseums Gera »Fremde in der Heimat – Heimat in der Fremde?« stellt persönliche Schicksale in den Mittelpunkt, zeigt die Auswirkung der »großen« Politik auf das Handeln und den Lebensweg des Einzelnen. Die entstandene Themenvielfalt ist erstaunlich. 14 Kapitel erzählen unter anderem von den einwandernden Deutschen im 12. Jahrhundert, von Glaubensflüchtlingen, der Auswanderung nach Amerika, der Eroberung von Kolonien, von Kriegsgefangenschaft, Zwangsarbeitern, Künstler- und Entdeckungsreisen bis hin zum hoch problematischen Umgang mit dem Volk der Roma.

Gut zu wissen

Die Ausstellung »Fremde in der Heimat – Heimat in der Fremde? Aufbruch und Ankommen aus acht Jahrhunderten« ist noch bis 11. März 2018 zu sehen: Stadtmuseum Gera, Museumsplatz 1, 07545 Gera, www.gera.de/stadtmuseum, Tel. +49 (0)365 8381470. Öffnungszeiten: Mi. – Fr. und an Feiertagen 12 bis 17 Uhr. Anreise: Haltestelle Heinrichstraße, Straßenbahn (Linien 11, 12, 14, 19, 25, 26).

Karte wird geladen - bitte warten...

Auswanderergeschichten aus Thüringen: Kann die Fremde zur Heimat werden? 50.876648, 12.080557 Museumsplatz 1, 07545 Gera (Routenplaner)