von Dipl.-Ing. Horst Ihling

Horst Ihling ist ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter des technischen Direktors und Pressechef des Automobilwerkes Eisenach (AWE):

Als wir zur Leipziger Herbstmesse 1966 den neuentwickelten Wartburg 353 vorstellten, war ich für alle technischen Fragen und Erklärungen zu diesem Fahrzeug der unteren Mittelklasse verantwortlich. Um bei dieser Präsentation gleichzeitig auf die traditionsreiche Geschichte der 1896 gegründeten Fahrzeugfabrik Eisenach A.G. hinzuweisen, stand ebenfalls der sehr sorgfältig restaurierte erste »Wartburg Motorwagen«, produziert um die Jahrhundertwende, auf dem Messestand. Dabei stahl der »Alte« dem »Neuen« fast die Show.

Bei der abendlichen Manöverkritik kam dann die Erkenntnis: Wir brauchen ein kleines Museum, um diese Geschichte des Automobilbaus auch erlebbar zu präsentieren. Da damals die beiden Jüngsten – neben mir unser Kundendienstleiter Ing. Christian Tautz – mit am Biertisch saßen, gab man uns die Chance, unsere ersten Sporen zu verdienen. Wir erhielten den Auftrag, dieses Projekt mit Gebäude und Oldtimern innerhalb eines Jahres zu realisieren. Für die Durchführung aller notwendigen Maßnahmen gab man uns »freie Hand«. Am 28. Oktober 1967 konnte unser Ausstellungspavillon als Blickfang in der Wartburg-Allee auf dem Weg zur Burg feierlich eröffnet werden. Den Millionsten Besucher begrüßte unser Betriebsdirektor persönlich am 11. April 1977 mit einem Gastgeschenk und der Urkunde auf Pergament.

Nach der »Wende« sollte der Pavillon einem Autohaus weichen. Zur Räumung der Exponate gründeten am 12. Juli 1992 zwölf engagierte Persönlichkeiten des Werkes und der Stadt den Verein Automobilmuseum Eisenach e.V. Mit teilweise abenteuerlichen Aktionen wurden die Exponate gerettet.

Nachdem ein Teil der Exponate über zehn Jahre hinweg Asyl in einem Raum der Eisenacher Sparkasse fand, konnte am 4. Juni 2005 endlich an einem denkmalgeschützten authentischen Produktionsstandort des ehemaligen Automobilwerkes ein repräsentatives neues Museum eröffnet werden, das sich inzwischen von einem reinen Fahrzeug- zu einem Erlebnis-Museum »gemausert« hat. Von Dixi über BMW, EMW, dem IFA F9 bis hin zum erfolgreichen Wartburg 311, dem Wartburg 353 und 1.3 sowie den in Eisenach ab 1990 produzierten Opelmodellen, gibt es hier für Autofans nun Einiges zu entdecken.

Gut zu wissen

Museum Automobile Welt Eisenach, Friedrich-Naumann-Straße 10, 99817 Eisenach, www.awe-museum.de. Öffnungszeiten: Di. – So. 10 bis 18 Uhr, Nov. – Mrz. bis 17 Uhr; Eintritt: 6 €, Kinder bis 6 Jahre frei. Anreise: Bahnhof Eisenach, Fern- und Regionalbahn. Weiter 10 Min. zu Fuß.

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Automobile Welt Eisenach – das Museum zum Autoindustriestandort 50.981520, 10.324760 Friedrich-Naumann-Straße 10, 99817 Eisenach (Routenplaner)