von Gastautor Kai Richarz

Kai Richarz ist Mitglied des Wandervereins Bakuninhütte e.V.:

Aus Deutschland, anderen europäischen Ländern und sogar von Australien zieht es mittlerweile wieder Interessierte zur Bakuninhütte. Hauptsächlich hervorgegangen aus der damaligen, gewerkschaftlich organisierten Belegschaft des Meininger Eisenbahnwerkes, ist ihre fast 100-jährige Vergangenheit ein Spiegelbild des 20. Jahrhunderts. Ihre Besonderheiten liegen jedoch einerseits in der Ideenwelt der am Bau beteiligten Familien: Der sogenannte Anarchosyndikalismus ist eine anarchistische Gewerkschaftsbewegung mit weltweitem Einfluss. Zum anderen besticht der Ort durch die ihn umgebende idyllische Landschaft auf einer Waldlichtung mit weitem Ausblick.

Der Idee der »Gegenseitigen Hilfe« verpflichtet, erwarb und bewirtschaftete man gemeinschaftlich eine kleine Ackerfläche und teilte die Erträge solidarisch unter den beteiligten Familien auf. So konnte im Kleinen eine »von unten« organisierte Lösung für die existenzbedrohenden Versorgungsengpässe nach dem ersten Weltkrieg gefunden werden. Später errichteten die handwerklich geschickten Industriearbeiter auf ihrem Grundstück eine Schutzhütte, die sie nach dem russischstämmigen Revolutionär Michail Bakunin benannten. Sie verfügten über alle Fähigkeiten, um Gebäude und ausgefallene Spielgeräte – wie ein Kettenkarussell – selbstständig zu bauen. Schließlich entwickelte sich hier ein Ferien- und Schulungsheim für die anarchosyndikalistische Bewegung, bis dieses dem deutschen Faschismus zum Opfer fiel und auch unter der Herrschaft der autoritären Sozialisten nicht wieder aufleben konnte.

Wandert man zu Fuß von Meiningen zur Bakuninhütte, so kann man den Spuren des anarchistischen Dichters Erich Mühsam folgen, der sich dort mehrfach aufhielt, um Vorträge zu politischen Themen zu halten. Knapp eine Stunde geht es hierbei teils steil bergauf durch dichten Wald. Empfehlenswert ist die Strecke vom Bahnhof über die Berliner Straße, den Friedhof und die Ruine Donopskuppe. Hat man die nötigen Höhenmeter hinter sich gebracht, gelangt man über den alten Hütten-Weg, vorbei an der Cotta-Hütte zur Hohen Maas, der höchsten Erhebung dieser Region. Nur wenige Meter weiter lichtet sich der Wald und man steht am Beginn einer großen, artenreichen Magerwiese, in deren Mitte, verborgen durch ein paar hohe Bäume und Sträucher, die Bakuninhütte liegt.

Gut zu wissen

Die Bakuninhütte liegt zwischen Meiningen und Ellingshausen, ist nur zu Fuß zu erreichen und wird durch den Wanderverein Bakuninhütte e.V., Ernestinerstraße 14, 98617 Meiningen betreut. www.bakuninhuette.de. Anreise: Bahnhof Meiningen, Regionalbahn.

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Die Bakuninhütte – Naturidyll und Kulturdenkmal der anarchistischen Gewerkschaftsbewegung 50.562741, 10.462246 Ernestinerstraße 14, 98617 Meiningen (Wanderverein Bakuninhütte) (Routenplaner)