von Gastautorin Sigrid Hupach

Sigrid Hupach hat in der Baumwollspinnerei und Zwirnerei ihrer Heimatstadt gelernt und gearbeitet und das Eichsfeld von 2013 bis 2017 als Abgeordnete der Partei Die Linke im Bundestag vertreten:

Ich komme aus Leinefelde, habe im VEB Baumwollspinnerei und Zwirnerei meine erste kaufmännische Ausbildung absolviert und dort gearbeitet, der Arbeit wegen die Stadt verlassen und bin wieder zurückgekehrt – wie so viele. Leinefelde hat eine lange, wechselvolle Geschichte, die eng verbunden ist mit diesem Großbetrieb.

Bis in die 1960er Jahre hinein blieb das »Feld an der Leine« geprägt von Landwirtschaft und Handwerk. Das änderte sich schlagartig mit dem »Eichsfeldplan« der SED, der die grenznahe Region fest in den Aufbau des Sozialismus einband: So wurde 1961 mit dem Bau der damals größten und modernsten Baumwollspinnerei Europas begonnen. In vier Hallen produzierte man zuletzt 16.000 Tonnen Garn und Zwirn pro Jahr, fast alles, was in der DDR verarbeitet wurde und auch für den Export arbeiteten die 4.500 Beschäftigten der »Spinne« im Dreischichtsystem.

Mit dem VEB einher ging der Bau der stadtbildprägenden »Plattenbausiedlungen«, die Leinefelde zur »sozialistischen Stadt« machen sollten: Neben modernen Wohnungen entstanden Schulen und Kindergärten, Hallenbad, Freibad und Stadion. Aber auch Jugendeinrichtungen, eine Stadthalle und ein Kreiskulturhaus im nahegelegenen Worbis bereicherten den Alltag – und so prägte die »Spinne« auch das Leben derjenigen, die dort nicht arbeiteten. Die Stadt wuchs in einem knappen Vierteljahrhundert von 2.500 Einwohnern auf 16.000 an.

Wie der Betrieb die Stadtentwicklung förderte, so wurden die Umbrüche ab dem »Wendejahr« 1989 von ihm verstärkt: 1992 sank die Garnproduktion um über 60 Prozent, die Zahl der Beschäftigten um über 90 Prozent. Trotz interessanter Sanierungskonzepte aus dem Betrieb heraus, wurde das Unternehmen 1997 von der Treuhand an die Falke Gruppe veräußert. 2013 folgte dann die Insolvenz. Der Stadt ist es gelungen, das Gelände nicht brachliegen zu lassen, sondern es zu einem kleinteiligen Gewerbegebiet weiterzuentwickeln.

Der äußerst gelungene Stadtumbau von Leinefelde wurde 1997 Teil der Weltausstellung Expo 2000, die Südstadt mit innovativen Rückbauten weiterentwickelt. Das Info-Center zum Stadtumbau ist hier der Anlaufpunkt, um mehr über die Stadtgeschichte zu erfahren – und auch von der »Spinne«.

Gut zu wissen

Info-Center und Café am Märten’s Teich, Zentraler Platz 1, 37327 Leinefelde-Worbis, www.leinefelde-worbis.de, Tel. +49 (0)3605 2005852. Im Info-Center kann man sich über den vielfach preisgekrönten Stadtumbau in Leinefelde-Worbis informieren. Anreise: Bahnhof Leinefelde (Regionalbahn), Fußweg 5 Minuten.

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Leinefelde – vom Für und Wider der Mono-Industrialisierung 51.385354, 10.329242 Zentraler Platz 1, 37327 Leinefelde-Worbis (Routenplaner)