von Gastautorin Ute Hinkeldein

Ute Hinkeldein leitet den Aktionskreis für Frieden Erfurt e.V.:

Mit der Märzrevolution von 1848/1849 wurde eine erste Türe für die Friedensbewegung in Europa aufgestoßen. Die Revolution galt offiziell als gescheitert, dennoch fanden viele gesellschaftliche Bewegungen durch sie ihren Anfang, wie die Arbeiterbewegung oder auch die Friedensbewegung. Eine Person, die mit den Ursprüngen der Friedensbewegung unbedingt zu nennen ist, ist Bertha von Suttner. Sie wurde 1843 in Prag geboren und stammte aus einer böhmischen Adelsfamilie. 1877 begann sie mit ihrer journalistischen Tätigkeit und beschrieb in ihrem pazifistischen Roman »Die Waffen nieder!« das Kriegsgeschehen aus Sicht einer Ehefrau. Der Roman erregte großes Aufsehen und machte sie zur prominentesten Vertreterin der Friedensbewegung.

Betha von Suttner war nicht nur in der Friedensbewegung engagiert, sondern auch in der Frauenbewegung ihrer Zeit und beteiligte sich aktiv in der Gesellschaft. Ihr Anliegen war es, Menschen zu versöhnen. Ihr Vorgehen konnte dabei auch sehr drastisch sein: Eine Annonce mit dem Inhalt: »Frau, schlafe nicht mit einem Kriegsherren oder Antisemiten«, konnten erstaunte Bürger eines Morgens im Jahr 1895 in der Zeitung lesen. Ihre Antwort auf antisemitische Tendenzen. Durch ihre schriftstellerische und journalistische Tätigkeit erreichte sie mehr Menschen als es dutzende Friedenskongresse jemals hätten erzielen können.

Am 10. Dezember 1905 erhielt sie den von ihr angeregten Friedensnobelpreis als erste Frau und fünfte Preisträgerin. Bertha von Suttner fand im thüringischen Gotha ihre letzte Ruhe – einem der wenigen Orte in Europa, an dem in ihrem Todesjahr 1914 durch die weltoffene Haltung der Ernestiner die Feuerbestattung möglich war. In Thüringen gibt es viele verschiedene Friedensinitiativen. Eine davon ist der Aktionskreis für Frieden Erfurt e. V. Wir sind nach der Wende aus dem Neuen Forum hervorgegangen. Wir wollen möglichst viele Menschen direkt erreichen. Viele dachten, mit dem Ende des Kalten Krieges hören gewaltsame Konfrontationen auf. Dem war nicht so. Kriege haben seitdem weltweit und auch in Europa stattgefunden. Von Bertha von Suttner können wir uns bis heute mitnehmen, uns nicht überwältigen zu lassen von der Aufgabe, Frieden zu gestalten, sondern pragmatisch zu denken und jeden Tag zu sehen, was möglich ist.

Gut zu wissen

Urne Bertha von Suttner, Kolumbarium im Hauptfriedhof Gotha, Langensalzaer Str. 98, 99867 Gotha. Webseite Aktionskreis für Frieden Erfurt e. V. , Friedenskoordination Thüringen: www.erfurt.de. Anreise: Bahnhof Gotha Ost, Regionalbahn.

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Die Asche der ersten Friedensnobelpreisträgerin in Gotha 50.964077, 10.708355 Langensalzaer Straße 98, 99867 Gotha (Routenplaner)