von Lars Scharnholz

Der studierte Architekt und Denkmalpfleger ist ein Freund von Bauten der Moderne in Ostdeutschland:

Der Eindruck von Vielfalt in der Architektur geht leicht verloren, wenn man sich nur mit dem schon Etablierten beschäftigt. Dies gilt in besonderer Weise für die »Ostmoderne«. Akzeptiert und in Teilen auch liebgewonnen wurden der Berliner Fernsehturm, der »Teepott« in Warnemünde oder auch das Unihochhaus in Leipzig. Was aber ist mit den Siedlungsbauten zwischen Stralsund und Suhl, die das Stadtbild so sehr prägen? Die Architektur der »Ostmoderne« ernst nehmen muss bedeuten, auch in die zweite Reihe zu blicken, zum Beispiel nach Gera. Die Grundsteinlegung der Siedlung des am nordwestlichen Stadtrand der ehemaligen Bezirkshauptstadt gelegenen Stadtteils »Am Bieblacher Hang« erfolgte 1957. Das Wohnquartier für 20.000 bis 25.000 Bewohner entstand im Zuge des Aufbaus des regionalen Uranabbaus und der Schwermaschinenindustrie.

Neben Wohnbauten sahen die Planer in dem Stadtteil Schulen, 1964 die Kaufhalle Nord, 1965 die Kindergrippe »Kinderglück« und die für die damalige Zeit sehr fortschrittliche Bergarbeiter-Poliklinik vor, die bis in die 1970er-Jahre ausschließlich den Mitarbeitern der SDAG Wismut zur Verfügung stand. 1973 baute man die Gaststätte »Grüne Mulde« mit Friseursalon und Klubräumen. Insgesamt umfasst der Stadtteil »Bieblach-Tinz-Roschütz«, an dem bis zum Ende der 1980er-Jahre gebaut wurde, 2.275 Wohnungen.

Alle 3- bis 10-geschossigen Bauten stehen seit 1992 unter Denkmalschutz. Der Teilsanierung in den 1990er-Jahren folgte ab 2005 eine umfassende Instandsetzung und Modernisierung, um eine dauerhaft hohe Mieterauslastung vor allem durch junge Familien und Senioren zu ermöglichen. Zu den Sanierungen der Jahre 2006 bis 2009 zählen auch die denkmalgeschützten Staffelhäuser am Glück-Auf-Weg 2-8 sowie Glück-Auf-Weg 3-11 und der Egon-Erwin-Kirsch-Straße 4-12. Für die Maßnahme erhielt die Gebäudewirtschaft (GWB) »Elstertal« 2011 den Thüringer Denkmalschutzpreis in der Kategorie Denkmalensemble. Die behutsame Sanierung zeigt: Es braucht keine Schönmalerei, um die Siedlung zukunftsfähig zu machen. Wichtig ist das Besinnen auf die bestehenden Qualitäten. Alles andere ist Fassadenkosmetik. Ein Geschichtspfad durch das Wohngebiet in Form von Schautafeln lädt zu weiteren Entdeckungen ein.

Gut zu wissen

Stadtteilbüro Bieblach, Schwarzburgstraße 6, 07552 Gera, www.bieblach.de, Tel. +49 (0)365 5517804. Öffnungszeiten: Di. 14 bis 17 Uhr, Mi. 9 bis 11 Uhr. Anreise: Haltestelle Bieblach-Ost, Straßenbahn (Linie 3) bzw. Bus (Linie 26).

Karte wird geladen - bitte warten...

»Am Bieblacher Hang« – DDR-Wohnungsbau am Industriestandort Gera 50.904928, 12.086728 Schwarzburgstraße 6, 07552 Gera (Routenplaner)