von Gastautor Christoph Zimmermann

Christoph Zimmermann engagierte sich als Mitglied des Stadtrates für die Wiederbelebung der Braukultur in Schmalkalden:

Geselliges Beisammensein beim Biere hatte in Schmalkalden schon zu Luthers Zeiten Tradition. Mehr als 200 sogenannte »Freihäuser«, in denen die Geistlichen miet- und steuerfrei wohnten, besaßen dereinst in der Stadt ein eigenes Braurecht, überdies soll es in Schmalkalden mehr als 20 Gasthöfe gegeben haben.

Umso bedauerlicher, dass sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts niemand mehr fand, der das Schmalkalder Braurecht ausüben wollte. Bis sich vor einiger Zeit ein Realschullehrer, ein Bauingenieur und ein Industriemechaniker zusammentaten. Schräg gegenüber des traditionsreichen Hessenhofes, im Herzen der historischen Altstadt machten sie ihr Hobby zum (Neben-)Beruf: Inspiriert vom aus den USA und England herüberschwappenden Craftbeer-Trend wagten sie das Abenteuer Wiederbelebung des Schmalkalder Braurechts. »Wenn es dort und in den deutschen Großstädten funktioniert, dem Einheitsgeschmack der großen Biermarken etwas entgegenzusetzen, warum dann nicht auch hier in Schmalkalden?«, dachten sie sich und machten sich auf die Suche nach dem richtigen Konzept. Mit Unterstützung eines Historikers wurden sie fündig. Broihahn, Mumme oder Rotbier sind nicht nur »irgendwelche« handwerklich gebrauten Bierspezialitäten, sondern werden nach alten Originalrezepturen hergestellt, die sich im Schmalkalder Stadtarchiv fanden.

Nicht nur bei den Rezepten, sondern auch bei den Zutaten setzt die Braumanufaktur in der Weidebrunner Gasse weitmöglichst auf Regionalität. Das Getreide kommt aus der Umgebung, der Hopfen aus dem mitteldeutschen Anbaugebiet Elbe-Saale mit seiner bald tausendjährigen Anbautradition. Wer sich einmal selbst als Bierbrauer versuchen möchte, kann bei einem Braukurs lernen, was es mit Röstaroma und Stammwürze auf sich hat. Natürlich wird das selbstgebraute Bier im Nachgang gesellig verkostet. Und wer weiß, vielleicht schmeckt es ja tatsächlich genau so, wie schon in den »Freihäusern« des 16. Jahrhunderts?

Gut zu wissen

Braumanufaktur Schmalkalden, Weidebrunner Gasse 8, 98574 Schmalkalden, www.braumanufaktur-schmalkalden.de, Öffnungszeiten: Mi. 14.30 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Weitere Verkaufsstellen finden sich auf der Homepage, individuelle Braukurse ab zwei Teilnehmern. Anreise: Bahnhof Schmalkalden (Regionalbahn), Fußweg 15 Min.

Karte wird geladen - bitte warten...

Braumanufaktur Schmalkalden – altes Braurecht neu belebt 50.723560, 10.452620 Weidebrunner Gasse 8, 98574 Schmalkalden (Routenplaner)