von Gastautor Johannes Selle

Der Thüringer CDU-Bundestagsabgeordnete engagiert sich für den Erhalt der Sole-Bohrtürme:

Schon im 16. Jahrhundert hatte Bad Sulza durch die Produktion des einst sehr wertvollen Speisesalzes überregionale Bedeutung. Dieser Wirtschaftszweig prägte die Region über Jahrhunderte. Der Aufschwung begann mühsam: Die Sole wurde aus unregelmäßig sprudelten Quellen in Pfannen gesiedet. Später begann man Bohrungen auszubringen, um Sole zu fördern. Dabei wurde hier 1563 das erste Feldgestänge in der Geschichte der Fördertechnik in Betrieb genommen. Ein Feldgestänge bestand aus verbundenen Stangen, die oberirdisch Energie von einem Wasserrad zum Bohrturm übertrugen. »Stangenkunst« nannte man diese neue Bergbautechnologie seinerzeit hochachtungsvoll. Die Salzgewinnung war ein ständiges Auf und Ab – niedrige Salzgehalte, geringe Ergiebigkeit und Wassereinbrüche machten immer neue Erschließungen erforderlich.

Bald gab es über 100 Schächte und Grubenbaue rund um Bad Sulza. Gradierwerke erhöhten die Konzentration der Sole, aus der dann das Sieden zur Speisesalzgewinnung erfolgte. Der Bau des ersten Sole-Bohrturms in Darnstedt beendete 1896 nach 300 Jahren die ständige Schachtsuche.

Eine 1893 niedergebrachte Bohrung fand, in der beachtlichen Tiefe von 880 Metern, Sole aus Steinsalz mit einer Konzentration von 27 Prozent in großer Ergiebigkeit vor – die Heinrichsquelle. So konnte jetzt auch direkt gesiedet werden, ein Gradierwerk war nur noch zur Reinigung nötig.

1900 wurde hier dann das letzte Feldgestänge in der Maschinenbaugeschichte installiert. Das hölzerne Feldgestänge übertrug die Wasserkraft der Ilm in den unteren Teil des Turmes auf das Bohrgestänge. Teile davon sind noch heute auf dem Gelände zu finden.

Einen Nachteil hatte die hochkonzentrierte Sole allerdings: Sie führte zur Korrosion der Kupferrohre. So machte eine Havarie in der Heinrichsquelle mit Bruch der Rohre in 385 Metern Tiefe 1936 eine neue Bohrung notwendig. So entstand der zweite Sole-Bohrturm – die Carl-Elisabeth-Quelle. Der Antrieb erfolgte mit einem Wellengetriebe, das sich durch die beachtliche Länge von 80 Metern auszeichnete und noch heute vorhanden ist.

Ich bin froh, dass ein engagierter Verein auch mit Hilfe von Bundesmitteln die Türme als Zeugnis mitteldeutscher Ingenieurskunst erhält.

Gut zu wissen

Sole-Türme Darnstedt, Im Dorfe 41, 99518 Niedertrebra (OT Darnstedt), www.bad-sulza.de/de/node/137 Informationen gibt es bei Jörg Geyer, Tel. +49 (0)171 7268469. Anreise: Die Türme erreicht man per Rad von Bad Sulza auf dem Ilmtal-Radweg in Richtung Apolda nach ca. 10 Minuten.

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Sole-Bohrtürme Darnstedt – »Stangenkunst« aus Bad Sulza 51.080771, 11.609337 Im Dorfe, 99518 Niedertrebra (OT Darnstedt) (Routenplaner)