Studentenvereinigungen gibt es schon so lange wie es Universitäten selbst gibt. Landsmannschaftlich war man dort organisiert in enger selbst verwalteter Gemeinschaft, mit dem Ziel der gegenseitigen Hilfe und der Bildung einer »ehrenhaften sowie charaktervollen Persönlichkeit«. Jedoch hatten sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts diese ursprünglichen Ideale vergessen und eine neue geistige Strömung fand immer mehr wiederhall: Freiheitliches Gedankengut gepaart mit dem Wunsch nach einem vereinten deutschen Nationalstaat, gegründet auf einen progressiven Patriotismus der zwischen dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen über die Napoleonischen Befreiungskriege bis hin zum Wiener Kongress zur Blüte gelangte.

Die napoleonischen Befreiungskriege waren das Fanal. Als Preußen sich aus der Neutralität gegenüber Frankreich verabschiedete und trotzdem der Grande Armée
nichts entgegenzusetzen hatte, brach die Stunde der Reformer und der Patrioten an. Bei Breslau bildete sich aus Freiwilligen aller deutschen Landen, das Lützower Freikorps, um gegen die gebeutelte napoleonische Armee zu kämpfen, viele von ihnen waren Studenten. Mit ihren Uniformen und Farbelementen in Schwarz, Rot und Gold wurden sie zu einem Symbol für die neue deutsche Nationalstaatsbewegung. Auch in Jena taten sich 1814 die akademischen Veteranen aller fünf örtlichen Landsmannschaften zusammen, um mit der Bildung einer neuen Gemeinschaft der Hoffnung auf einen Nationalstaat auch die zeitgemäße Form zu geben. Kaum verwunderlich ist es daher, dass sich diese Urburschenschaft als »Vollwichs« – die studentische Tracht – die Uniform des Lützowschen Freikorps zum Vorbild nahm und 1817 an der Spitze des Zuges der Studenten auf die Wartburg, eine Schwarz-Rot-Goldene Fahne trug.

Doch nach dem Wiener Kongress 1815 änderte sich wenig an der deutschen Kleinstaaterei und auch viele andere liberale Ideen gerieten unter die Räder der aristokratischen Reaktion. Das von Studenten fast aller protestantischen Universitäten getragene Wartburgfest war daher auch der Schwur, die Idee des gemeinsamen deutschen Vaterlandes mit neuem Leben zu erfüllen. Die Akademiker wollten mit guten Beispiel vorangehen und proklamierten die Allgemeine Deutsche Burschenschaft, die den Anspruch erhob, alle Schranken zwischen Studenten unter dem Wahlspruch »Ehre, Freiheit, Vaterland« zu überwinden.

Gut zu wissen

Burschenschaftsdenkmal, An der Göpelskuppe 1, 99817 Eisenach, www.thueringen.info/burschenschaftsdenkmal.html, Tel.: +49 (0)3691 2453028. Öffnungszeiten: März bis Oktober: täglich 10 – 18 Uhr, November bis Februar: täglich 11 – 16 Uhr, Anreise: Ab Bahnhof Eisenach circa 20 Minuten Fußweg.

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»Gaudeamus igitur …« – Der Student als Patriot und Avantgarde 50.966427, 10.335066 An der Göpelskuppe 1, 99817, Eisenach, Deutschland (Routenplaner)