von Gastautorin Rosanna Minelli


Rosanna Minelli betreibt ihren eigenen Laden »Erfurter blau« auf der Erfurter Krämerbrücke:

Die recht unscheinbare kleine Pflanze Färberwaid – Isatis tinctoria – man könnte ihre Blüte leicht mit Raps verwechseln, begleitet mich schon seit Jahrzehnten. Als Restauratorin alter Gemälde und Dozentin für Maltechnologie und Farblehre faszinierte mich immer wieder der »Deutsche Indigo«, der über Jahrhunderte aus Thüringer Färberwaid gewonnen und in der Kunst genauso wie auch zum Blaufärben von Textilien genutzt wurde. Das Mittelalter war vermutlich ein blaues Zeitalter, Dank Thüringer Färberwaid.

In meinem Laden für Künstler- und Restauratorenbedarf kreist alles um dieses eine Blau, welches Erfurt als Zentrum des Waidhandels seit dem 9. Jahrhundert reich gemacht hat und dem die fortschreitende Industrialisierung des späten 19. Jahrhunderts ein Ende setzte. Was war passiert? Die Wissenschaften erzielten rasche Fortschritte und so entwickelte der deutsche Chemiker Adolf von Baeyer ab 1870 die Indigosynthese. Ab 1897 wurde künstlicher Indigo kommerziell von der BASF hergestellt. 1905 erhielt von Baeyer den Nobelpreis für Chemie.

Wobei der langsame Niedergang von Anbau und Handel des thüringischen Waid noch weiter zurückreicht, ins 17. Jahrhundert, bedingt durch den Dreißigjährigen Krieg. Bereits im 16. Jahrhundert hatte eine auch in den amerikanischen Kolonien angebaute Pflanze aus Indien – der echte Indigo – auf dem Weltmarkt um die Farbe Blau, dem Thüringischen Konkurrenz gemacht. Bis zum Ersten Weltkrieg war Indien der weltweit bedeutendste Indigo-Produzent. Hier kennt man die Pflanze schon seit Jahrtausenden. In El Salvador und Brasilien wird dieser »echte« Indigo – Indigofera tinctoria – heute noch angebaut.

Mit der Wende zum 20. Jahrhundert stieg der Bedarf an Indigo immens. Uniformen und Berufsbekleidung für Industriearbeiter waren blau. 1873 erfand der aus Franken stammendende amerikanische Industrielle Levi Strauss die bis heute so beliebte Jeans. Das Färben von Denim ist heute eine der hauptsächlichen Verwendungen von Indigo in der Textilindustrie. Apropos heute. Den Färberwaid gibt es wieder häufiger. Er hat nicht nur überlebt, sondern erfreut sich einer gewissen Beliebtheit – in meinem Laden und zur Restaurierung von Kirchen und Gemälden. Auch als Ökofarbe wird er nachgefragt und in Thüringen auch wieder angebaut.

Gut zu wissen

Erfurter Blau, Krämerbrücke 2, 99084 Erfurt, www.erfurterblau.de, Tel. +49 (0)361 24039129. Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 11 bis 18 Uhr, Sa. 11 bis 15 Uhr. Anreise: Haltestelle Fischmarkt/Rathaus, Straßenbahn (Linien 3, 4, 6).

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Das »blaue Gold« – Erfurt »Waid« 50.978752, 11.030241 Krämerbrücke 2, 99084 Erfurt (Routenplaner)