Auf dem Ernst-Abbe-Platz pulsiert das studentische Leben. Hier, am heutigen Campus, hat das industrielle Herz der Stadt angefangen zu schlagen. Wer an Jena denkt, denkt meist auch an Zeiss. Beide sind seit dem 19. Jahrhundert untrennbar miteinander verbunden. Als Zentrum der optischen Industrie genießt die Stadt bis heute Weltruf und wirbt gern mit dem Titel »Lichtstadt«. Den Grundstein legte die enge Zusammenarbeit des Jenaer Triumvirats aus dem Physikprofessor Ernst Abbe (1840-1905), dem Mechaniker Carl Zeiß (1816-1888) und dem Glaschemiker Otto Schott (1851-1935). Ihre Visionen sollten folgenreich für das Stadtbild am Westrand der Altstadt sein.

Nach der Gründung eines mechanischen Ateliers durch Carl Zeiß wuchs um 1900 auf dem Areal des heutigen Ernst-Abbe-Platzes das Zeiss-Hauptwerk heran. Hochmodern für die damalige Zeit, denn man orientierte sich an der amerikanischen Stahlbeton-Bauweise. Die noch heute zeitgemäß wirkenden Gebäude sind teils über 100 Jahre alt! So gilt der sogenannte »Bau 15« an der nach Osten liegenden Straßenbahnausfahrt als erstes Hochhaus Deutschlands. Eine Gedenktafel würdigt diesen Status. Der nach Süden angrenzende »Bau 10« mit seinen vorgelagerten gläsernen Treppenhäusern beherbergte einst Werkstätten und Büros. Hoch oben thront die Kuppel der alten Werkssternwarte. Der dahinterliegende kurze Abschnitt der Goethestraße wurde mit dem Wachstum des Unternehmens diesem kurzerhand zugeschlagen und war zeitweise nicht öffentlich zugänglich.

In den 1990er Jahren wurden die alten Industriebauten umgenutzt. Mit einem modernen Glasdach versehen, entstand das Einkaufszentrum Goethe Galerie, eine gelungene architektonische Verbindung von Industrie und Moderne. Am Ausgang der Goethe Galerie in Richtung Carl-Zeiß-Straße informiert eine Installation umfangreich über dieses Kapitel der Jenaer Bau- und Wirtschaftsgeschichte. Gekrönt wird das Ganze von einem aufmontierten historischen Projektionsgerät der weltberühmten Zeiss-Planetarien als Präsentation eines Produktes aus dem Hause Zeiss. Aufgrund der Form sagen die Jenaer liebevoll »Knochen« dazu.

Anlässlich der Feier zum 200. Geburtstag von Carl Zeiß war es mir eine Ehre, die Nachfahren der Familie Abbe und der Familie Zeiß durch die Stadt zu führen. Sie und auch ich waren stolz, dass der Pioniergeist ihrer Vorfahren noch heute in Jena zu sehen ist.

Gut zu wissen

Ernst-Abbe-Platz, 07743 Jena. Anreise: Haltestelle Ernst-Abbe-Platz, Straßenbahn (Linien: 5, 33, 35).

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Der Ernst-Abbe-Platz – die Wiege von Zeiss 50.928052, 11.581925 Ernst-Abbe-Platz, 07743 Jena (Routenplaner)