von Gastautorin Franziska Zschäk

Die Diplom-Ethnographin ist seit 2013 Museumsleiterin des Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden.

In der Mitte Thüringens zwischen Erfurt und Weimar liegt Hohenfelden. Seit 1979 gibt es hier das Thüringer Freilichtmuseum. Im Ort und im nahe gelegenen Museumsgelände »Am Eichberg« wird die Welt unserer Großeltern und Urgroßeltern ganz ohne Computeranimationen begreifbar.

Und das in mehrfacher Hinsicht: Mehr als 30 historische Gebäude aus vier Jahrhunderten gehören zum Museum. In der Architektur und den Wohnräumen, aber auch in den umliegenden Gärten werden ländlichen Wohn- und Lebenswelten bewahrt. Unverputzte Werkstätten, rußgeschwärzte Küchen, der Klassenraum in der Dorfschule oder die Stube neben dem Kuhstall ergeben ein Gesamtbild vom Dorfleben.

Jedes Haus ist detailreich und im Stil einer bestimmten Zeit eingerichtet. So erschließen sich unseren Besuchern Zusammenhänge, die sich in klassischen Museen nicht nachvollziehen lassen. Oft sehe ich im Museum Kinder und Erwachsene die das Gesehene mit ihrer eigenen Lebenswelt vergleichen.

Die Gebäude stammen aus ganz Thüringen. Sie wurden, teils mit Tiefladern, nach Hohenfelden gebracht. Dann zieht nicht nur das Fachwerk an einen neuen Standort, sondern auch die (Familien)Geschichte des jeweiligen Hauses. So können wir nicht nur Bautechniken sondern auch Zeitpunkte und Gründe für funktionale Umbauten untersuchen.

Um das Museum für unsere Gäste lebendig werden zu lassen, nutzt das Museum auch den Erfahrungsschatz alter Handwerker. So können unsere Besucher an Schautagen oder während unserer Museumsfeste beispielsweise in der Töpferei, der Schmiede oder im Brauhaus alte Handwerkstechniken erleben.

Seit 2011 kann im Museum auch Mehl gemahlen werden. Als die Bockwindmühle aus Großmehlra bei Mühlhausen hierher umgesetzt wurde, half uns der Enkel des letzten Müllers mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen, die alte Technik wieder in Gang zu setzten. Mich beeindruckt ein besonderes Detail: Mittelpunkt der Mühle ist ein mächtiger Eichenstamm, welcher 1729, als das Gebäude gebaut wurde, schon über 500 Jahre alt war und bis heute überdauert hat.

Gut zu wissen

Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden, Am Eichberg 1 (Museumsgelände), 99448 Hohenfelden, www.freilichtmuseum-hohenfelden.de. Öffnungszeiten: Apr. – Okt. täglich 10 bis 18 Uhr, Nov. – Mrz. siehe Webseite. Auch im 900 m entfernten Dorf gibt es Museumsstandorte. Zentraler Anlaufpunkt ist dort der Pfarrhof mit Museumsgaststätte. Führungen (für Erwachsene oder Kinder) sowie Mitmachangebote nach Voranmeldung: Tel. +49 (0)36450 43918. Anreise: Bahnhof Kranichfeld, Regionalbahn, weiter zu Fuß oder Rad (6 km). Von Erfurt oder Kranichfeld (EVAG Linie 155) fährt auch ein Bus nach Hohenfelden.

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Eine Zeitreise aufs Land - Wohnkultur und Alltagsleben in Hohenfelden 50.889242, 11.164459 Am Eichenberg 1, 99448 Hohenfelden (Routenplaner)