von Gastautorin Margitta Rockstein

Die Pädagogin ist seit 35 Jahren Leiterin des Friedrich-Fröbel-Museums in Bad Blankenburg:

Im »Haus über dem Keller« in Bad Blankenburg schlug die Geburtsstunde des Kindergartens. Dort begann Friedrich Wilhelm August Fröbel 1839 sein Programm zur frühkindlichen Bildung und Erziehung zu praktizieren. Hier befindet sich heute das Friedrich-Fröbel-Museum – ein Bildungs- und Begegnungsort für Kinder und Erwachsene – in dem wir nicht nur über das Leben des Pädagogen informieren.

Doch wer war Friedrich Fröbel? 1782 in Oberweißbach geboren, gründete er nach einem naturwissenschaftlichen Studium und ersten Lehrertätigkeiten 1816 eine erste Erziehungsanstalt im Thüringer Wald. 1826 veröffentlicht Fröbel sein literarisches Hauptwerk »Die Menscherziehung«. Zum besonderen Verdienst von Fröbel gehört, dass er die Bedeutung der Kindheit als eigenständige Entwicklungsphase im menschlichen Leben erkannte. Für ihn war »das Spiel« die kindgerechte Form, sich Wissen über sich selbst und die Welt anzueignen. Mit dem Kindergarten schuf er eine Institution, in der sein Erziehungsansatz auch für den Nachwuchs der ärmeren Bevölkerungsgruppen umzusetzen war.

Fröbel entwickelte Spielmittel, die ein Kind zum Experimentieren herausfordern, dessen Phantasie anregen und seine soziale Interaktion fördern sollten. Am bekanntesten wurden die in aller Welt berühmten »Spielgaben« Kugel, Walze und Würfel. Später konzipierten in Rudolstadt, auf Basis dieser Formen, Fröbel-Schüler die Ankersteine und vermarkteten sie erfolgreich als Spielzeug.

Doch die neuen Ideen zur Kleinkinderziehung wurden nicht überall geteilt. Die Fröbelschen Kindergärten wurden 1851 in Preußen sogar verboten. Mich beeindruckt, dass sich Friedrich Fröbel davon nicht beirren ließ. Ab 1842 bildete er Frauen zu Kindergärtnerinnen aus, ab 1850 sogar in einer Schule in Marienthal bei Bad Liebenstein. Mit der Schaffung eines originär weiblichen Berufes trug der Pädagoge wesentlich zur Emanzipation der Frau im 19. Jahrhundert bei. Seine Schülerinnen trugen das neue Konzept zur Kinderbetreuung in die Welt hinaus. Fröbels Wortschöpfung »Kindergarten« ist vermutlich eines der deutschsprachigen Worte, das in die meisten Sprachen der Welt unverändert übernommen wurde. So kündet es noch heute von seinem Ursprung in Thüringen.

Gut zu wissen

Friedrich-Fröbel-Museum, Johannisgasse 4, 07422 Bad Blankenburg, www.froebel-museum.de, Tel. +49 (0)36741 2565. Öffnungszeiten Di. – Sa. 10 bis 17 Uhr. Führungen und Bildungsangebote für Kinder und Erwachsene nach Absprache. Anreise: Bahnhof Bad Blankenburg, Regionalbahn. Weiter mit dem Bus, Haltestelle Stadtmühle (Linien 215, 218, 980) bzw. 10 Min. zu Fuß.

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Bildung für Alle - spielen, um zu lernen 50.684590, 11.263440 Johannisgasse 4, 07422 Bad Blankenburg (Routenplaner)