Otto Rosenstiel leitet in Sömmerda das Bau- und Umweltamt, Ulrich Braem ist Projektleiter für das Pilotprojekt energetische Stadtsanierung auf dem Gartenberg. Wir haben uns zur Gartenstadtbewegung und zum aktuellen Pilotprojekt »Gartenberg in Sömmerda« mit ihnen unterhalten:

»Der Gartenberg in Sömmerda ist ein Beispiel für eine anspruchsvolle und aufwändige Stadterweiterung kurz nach der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert«, erzählt uns Otto Rosenstiel. »Der Stadtteil ist durch eine traditionell sehr heterogene und kleinteilige Eigentümerstruktur gekennzeichnet. Dem Gartenstadtmodell verpflichtet, ist der Gartenberg mit seinerzeit sehr großzügigen Grundstücken und Wohnhäusern angelegt.« Als ab 1900 in Sömmerda die Elektrifizierung der Stadt erfolgte, wuchs die Einwohnerzahl ständig an. Die Arbeiter der Rheinmetall und der Firma Dreyse & Collenbusch benötigen günstigen Wohnraum. So entstand 1915 auch der Gartenberg.

Die Gartenstadtbewegung kam ursprünglich aus England. Dort hatte Ebenezer Howard 1898 ein Modell entwickelt, das eine Antwort auf die schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse der Arbeiter in der Zeit der Industrialisierung ebenso wie auf steigende Bodenpreise sein sollte. Die Grundform ähnelt der eines Kreises: Im Zentrum befanden sich die Versorgungseinrichtungen wie Läden und Dienstleister. Auf ringförmigen Straßen ordneten sich die Wohnhäuser an. Neben dem baulichen Konzept spielte auch der soziale Gedanke im ursprünglichen Modell eine große Rolle: Die Häuser und Gärten sollten weitgehend gemeinschaftlich verwaltet sein. In Deutschland entstanden ab 1900 gemeinnützige Baugesellschaften, für die sozialreformerischen Ideen setzte sich ab 1902 die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft ein.

»Mit seinem Ursprung als Gartenstadt ist der Gartenberg ein ideales Pilotprojekt für die energetische Stadtsanierung – es ist ein in sich abgeschlossenes Quartier, es gibt einen altersbedingten Umbruch bei den Eigentümern und einen Sanierungsstau.« erläutert Projektleiter Ulrich Braem. In Anknüpfung an die ursprünglichen Visionen der Gartenstadtbewegung soll nun unter intensiver Einbindung der Eigentümer die Sanierung erfolgen. Die neue Vision: CO2-Reduzierung für die Umwelt und Kosteneinsparungen für die Bewohner.

Gut zu wissen

Gartenberg, Robert-Schumann-Platz, 99610 Sömmerda. Über die Richard-Wagner-Straße und die Sebastian-Bach-Straße kann man die Siedlung auf einem Spaziergang umrunden. Anreise: Bahnhof Sömmerda, Regionalbahn. Weiter Haltestelle Gartenberg Hegelplatz, Bus (Linie 243).

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Alte und neue Visionen auf dem Gartenberg in Sömmerda 51.167858, 11.137069 Robert-Schumann-Platz, 99610 Sömmerda (Routenplaner)