Gartenzwerge zählen in Deutschland mit zu den beliebtesten Vorgarten-Bewohnern. Wer genau wissen möchte, wie diese gnomenhaften Geschöpfe entstehen und welche Geschichte sie bereits hinter sich haben, der ist im Zwergenmuseum in Gräfenroda genau richtig. Mitten im Ort steht, unübersehbar, die auch heute noch voll im Betrieb befindliche Gartenzwergmanufaktur des Philipp Griebel. In der vierten Generation werden hier seit 1874 Keramikfiguren hergestellt.

Angefangen hatte alles mit Tieren und Tierköpfen, die für Innenräume in Heimarbeit gefertigt wurden. Nach 1880 kamen die Gnome hinzu, Wesen mit Zipfelmützen, Bärten und oftmals mit Laternen in der Hand, wie sie von den kleinwüchsigen Männern im früheren Bergbau unter Tage getragen wurden. Die Inspiration dazu waren wahrscheinlich Begegnungen von Firmengründer Philipp Griebel mit Bergleuten aus benachbarten Stollen. Sie gaben ihm die Idee, menschenähnliche, doch im Vergleich von Kopf zu Körper überproportionierte Figuren zu schaffen.

»Die Zwerge sind meine Vorbilder – sie nörgeln nicht«, meint schmunzelnd Reinhard Griebel, der nach der Wende den Familienbetrieb übernommen hat und auch noch heute eine Vielzahl unterschiedlichster Figuren in Kleinserie produziert. In den liebevoll eingerichteten Museumsräumen hat Familie Griebel Szenen mit großen und kleinen Figuren zusammengestellt. Für mich immer wieder beeindruckend sind die vielen märchenhaften und bäuerlichen Szenen, in denen in Lebensgröße Menschen sowie Tiere des Waldes »wie im richtigen Leben« vor mir stehen. Natürlich sind auch viele unterschiedliche Zwerge bei der bergmännischen Arbeit zu sehen. Mich erfreut immer wieder eine Zwergen-Eisenbahn, die hier ihre Runden dreht. Wenn sie sich fauchend und pfeifend in Bewegung setzt, dann schlagen die Herzen von großen und kleinen Eisenbahnliebhabern höher.

Aber hier gibt es auch Einblick in den Herstellungsprozess der Keramiken. Die einzelnen Arbeitsschritte können in den Arbeitsräumen nachvollzogen werden. Mich erstaunt, wie viele Handgriffe es braucht, bis aus der einfachen Tonmasse »geboren«, ein lustig dreinblickender, bunt bemalter Gartenzwerg auf dem Tisch steht. Und selbstverständlich beobachten die Figuren von ihren Regalen herab, wie sich die Menschen in der doch etwas fremden »Zwergenwelt« neugierig umschauen. So rundet sich das Bild eines Betriebes ab, der als letzter der zahlreichen Terrakotta-Manufakturen in Gräfenroda, dem Geburtsort der Gartenzwerge, übrig geblieben ist.

Gut zu wissen

Gartenzwergmanufaktur Philipp Griebel mit Gartenzwergmuseum, Ohrdrufer Straße 1, 99330 Gräfenroda, www.zwergen-griebel.de, Tel. +49 (0)36205 76470, Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 10 bis 17 Uhr, Sa. 10 bis 14 Uhr. Anreise: Haltestelle Gräfenroda (Regionalbahn), weiter 10 Min. zu Fuß.

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Wo Gräfenrodas Zwerge das Licht der Welt erblicken 50.749157, 10.812312 Ohrdrufer Straße 1, 99330 Gräfenroda (Routenplaner)