Das kleine Gasthaus liegt auf der Sichtachse zur höchsten Kirche im Heilbad Heiligenstadt und trägt den selben Namen: St. Martin. Die Geschichte der Kirche ist geprägt von Wechseln. Einst größte katholische Kirche des Eichsfelds wurde sie nach der Übernahme des Gebietes durch Preußen 1804 an die evangelische Kirche übergeben. Trotzdem ist das Eichsfeld mehrheitlich katholisch geprägt.

Wir unterhalten uns mit der Inhaberin des gleichnamigen, sehr gemütlichen Gasthauses in der Innenstadt von Heiligenstadt, Vera Grebenstein-Glorius, über Wechsel und Wandel und das Zusammenleben beider Konfessionen:

Sie sind ein Heiligenstädter Urgestein und wollten bereits als Kind immer in diese Räume?

Ja, bis Ende der Siebziger Jahre war in diesem Haus ein kleiner Laden. »Zigarrenwehr« nannte er sich. Wenn man ihn betrat, befanden sich rechts Spielwaren und links gab es Rauchwarenzubehör für den Opa. So waren alle erfüllt von einem Besuch – Enkel und Großeltern. Anfang der Neunziger wurde es bis auf das Kellergewölbe abgerissen und neu errichtet. Seinerzeit habe ich geholfen beim Entrümpeln. Im Kellergewölbe fand ich eine Kartoffelmiete vor, in der noch Kartoffeln aus den Sechziger Jahren lagen. Als ich sie berührte, verpufften sie. Immer eine kleine Anekdote für unsere Gäste, die im Gewölbe platziert werden, denn wer dort einige Stunden verbringt, der altert nicht. Jedenfalls äußerlich nicht.

Wie nehmen Sie das Zusammenleben der Konfessionen wahr?

Wir haben hier viele Pilger. Sie wandern zum Beispiel nach Mühlhausen, wo Thomas Müntzer während der Reformation tätig war. Denen fallen auch die vielen Kirchen in der Stadt auf. Die Stadt war und ist auch heute noch sehr römisch – katholisch geprägt. In der Nachkriegszeit kamen viele Flüchtlinge hierher. Manche blieben auch, lernten jemanden kennen, man verliebte sich und wollte heiraten. Das wurde doch für den ein oder anderen zum familiären Fiasko. Da wurde kein Verständnis für eine anderer Glaubensrichtung aufgebracht, was bis zum Ausschluss aus der Familie führte. Heute ist das nicht mehr so. Die Eichsfelder sind sehr aufgeschlossen und toleranter in dieser Frage geworden.

Gut zu wissen

Gasthaus St. Martin, Wilhelmstraße 22, 37308 Heilbad Heiligenstadt, www.gasthaus-sankt-martin.de. Tel. +49 (0)3606 602860, Öffnungszeiten Mo. – Sa. und an Feiertagen und Stadtfesten 11 bis 24 Uhr. 15 bis 17 Uhr geschlossen. Anreise: Mit der Regionalbahn bis Heilbad Heiligenstadt, 15 Min. Fußweg vom Bahnhof in die Innenstadt.

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Von Pilgern und Gewölben im Gasthaus St. Martin in Heiligenstadt 51.377377, 10.135026 Wilhelmstraße 22, 37308 Heilbad Heiligenstadt (Routenplaner)