von Gastautor Prof. Dr.-Ing. Günter Dörfel

Der Autor, geboren in Cursdorf, lebt seit 1957 in Dresden. Er arbeitet im Förderverein Museum Geißlerhaus und im Beirat des historischen Glasapparatemuseums Cursdorf.

Als der berühmte Glasinstrumentenbauer Dr. Heinrich Geißler, 1814 im heute zu Neuhaus gehörenden Igelshieb geboren, 1879 in Bonn starb, widmete die Deutsche Chemische Gesellschaft ihrem Mitglied einen warmherzigen Nachruf:

»Geissler hat die Kunst, das Glas vor der Lampe zu formen, zu einer Vollendung gebracht, welche keiner seiner Vorgänger erreicht hat, und in welcher er, obwohl er treffliche Schüler erzogen hat, so bald nicht übertroffen werden dürfte.« Und sie würdigte sein »hervorragendes constructives Talent«, dem »gründliche physikalische Kenntnisse« zur Seite gestanden hätten.

Geißler schuf mit seinen thermometrischen, barometrischen und anderen chemisch-physikalischen Gerätschaften bahnbrechende Beiträge zum Aufschwung des wissenschaftlichen Gerätebaus. Am nachhaltigsten wirkten seine Impulse zur Entwicklung der Gasentladungsphysik. Leucht-, Rundfunk- oder Röntgenröhren sind als Erzeugnisse eines industriellen Zeitalters mit den Vorleistungen Geißlers und seiner »trefflichen Schüler« eng verknüpft.

In einer Heimarbeiterfamilie geboren wurde er schon als Kind zum Perlenmacher ausgebildet. Vom Vater auf die Bedeutung des Instrumentenbaus hingewiesen, sammelte er erste Erfahrungen in München, Den Haag oder Bonn, wo er ab 1853 arbeitete. Die Zusammenarbeit mit führenden europäischen Gelehrten, insbesondere mit dem Bonner Mathematiker und Physiker Julius Plücker, machte ihn weltweit bekannt. Plücker war es auch, der den Begriff »Geißlersche Röhren« als Gattungsbegriff für die von Geißler perfektionierten Gasentladungsröhren einführte.

Die Stadt Neuhaus am Rennweg erinnert mit einem Museum in Geißlers Geburtshaus an ihren berühmtesten Sohn, an die Wirkung seiner Schule und die Entwicklung der Glasverarbeitung in Südthüringen. Gezeigt werden historische Instrumente aus Geißlers Werkstatt sowie Werkstattausrüstungen. Denen werden moderne Erzeugnisse gegenübergestellt, unter anderem auch kunstvolle, dekorative Geißlerröhren im Betrieb. Das Museum Geißlerhaus ist historisch und inhaltlich eng verbunden mit dem historischen Glasapparatemuseum im benachbarten Cursdorf.

Gut zu wissen

Heimatmuseum Geißlerhaus, Sonneberger Straße 106, 98724 Neuhaus am Rennweg, www.foerderverein-geisslerhaus.de, Tel. +49 (0)3679 723143. Öffnungszeiten: Mi. – Sa. 14 bis 17 Uhr, So. 14 bis 16 Uhr. Anreise: Bahnhof Neuhaus am Rennweg, Süd-Thüringen-Bahn (STB 42), weiter 10 Min. zu Fuß.

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Heinrich Geißler – Glashandwerker und Impulsgeber der Wissenschaft 50.503810, 11.146260 Sonneberger Straße 106, 98724 Neuhaus am Rennweg (Routenplaner)