Schroffe helle Felswände inmitten von Bergwäldern und steile Trockenrasen prägen die Landschaft. Die Sonne brennt mitunter heiß. Tief unten schlängeln wir uns durch die Landschaft – was türmt sich da vor uns auf? Hier ein Hinweisschild zu einer Höhle, dort wieder ein Wegweiser zu einem Wanderweg. Wir sind unterwegs im Karst, genauer gesagt: In der Gipskarstlandschaft im Südharz. Der Gips macht hier nämlich den Unterschied, wie wir später erfahren. Karstlandschaften haben uns schon im Kinderzimmer fasziniert, als wir mit Winnetou und Old Shatterhand auf der Leinwand Gauner durch Felsregionen gejagt haben. Es sah ganz ähnlich aus, nur befindet sich diese Filmkulisse auf dem Balkan. Außerdem fehlte da der Gips.

Vor über 250 Millionen Jahren schwappten hier im Südharz die Wassermassen eines warmen Meeres hin und her. Gips lagerte sich ab, dazwischen auch härterer Kalkstein, sogenannter Dolomit. Die letzten 10.000 Jahre haben dann aus der Landschaft das gemacht, was wir heute hier sehen: Ausgewaschene Rinnen, steile und spärlich bewachsene Felshänge, durch Erdfälle oder Dolinen zerklüftete Landschaften. Hier hat sich eine ganz besondere Flora angesiedelt, denn solch einen trockenen Boden zusammen mit starker Sonneneinstrahlung halten nicht viele Pflanzen aus. Dazu kommen zahlreiche Höhlen, denn der Gips und auch der Kalkstein sind wasserlöslich. Regnet es oben auf den Berg, verschwindet das Wasser schnell im Untergrund und löst die Gesteinsschichten. Eine Region, die immer in Bewegung ist, sich neu formt und vom Wasser geformt wird.

Allerdings weckt der Gips auch Begehrlichkeiten. Naturgips ist ein wertvoller Rohstoff, der etwa in Spezialanwendungen im Modellbau oder in der Medizin seine Anwendung findet. Aus diesen Gründen haben sich verschiedene Bergbaufirmen die Rechte für den Abbau gesichert. Vor allem die Region rund um Nordhausen ist im Blick dieser Unternehmen. Das ruft Naturschützer auf den Plan ebenso wie solche Menschen, die im Tourismus eine neue Chance für die Region sehen. Noch ist nicht entschieden, wer wo seine Interessen durchsetzt.

Wir erkunden derweil das Band der Gipskarstlandschaft auf dem Karstwanderweg, der sich über 230 Kilometer von Niedersachsen über Thüringen bis nach Sachsen-Anhalt zieht. Die Sonne wärmt uns von hinten, als wir auf den nächsten Höhenrücken aufsteigen.

Gut zu wissen

Als Einstieg auf den Karstwanderweg eignet sich Nordhausen. Informationen gibt es beim Südharzer Tourismusverband: Bahnhofsplatz 3a, 99734 Nordhausen, www.naturpark-suedharz.de, Tel. +49 (0)3631 902154. Spezielle Informationen zum Karstwanderweg: www.karstwanderweg.de. Anreise: Bahnhof Nordhausen, Fern- und Regionalbahn sowie mit der Harzquerbahn.

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Der Gips macht den Unterschied – Gipskarstlandschaft Südharz 51.521880, 10.871970 Unter dem Schellenberg 9, 99734 Nordhausen (OT Steigerthal) (Routenplaner)