von Gastautorin Silvia Eilhauer

Die Autorin arbeitet im Museum in der Gemeindeverwaltung Cursdorf:

Hier in Cursdorf und unserem Nachbarort Neuhaus am Rennweg kann man mehr über die Geschichte und die Köpfe der Glastechnik – alle beeinflusst von Heinrich Geißler, einem Pionier des Glasapparatebaus im 19. Jahrhundert – erfahren.

Die handwerkliche Kunst der Thüringer Glasbläser war ein Segen für die Wissenschaftler in den expandierenden Industrie- und Universitätsstädten. Heinrich Geißler und seine Schüler entwickelten zuerst Laborgeräte, welche die chemische Untersuchung von Gasen und neue Entdeckungen in der Physik (Ionen- und Röntgenstrahlung oder der Elektrizität) ermöglichten.

Die Thüringer Glasbläser gründeten auch eigene Unternehmen: 1876 machte sich Robert Götze, ein Schüler Geißlers und geborener Cursdorfer, in Leipzig mit einer Glasbläserei selbständig. Götze war Partner früher Röntgenpioniere und wurde bald einer der gefragtesten Röhrenhersteller in der Frühzeit der »neuen Strahlen«. Um 1890 holte Götze seine Neffen Otto und Rudolf Pressler zur Ausbildung von Cursdorf nach Leipzig. Aus Lehrlingen wurden erst fähige Mitarbeiter und dann selbständige Unternehmer in Leipzig und auch wieder hier im heimatlichen Cursdorf. Die beiden Firmen machten sich auf den Gebieten der Thermometrie, der Röntgentechnik, der Gasentladungsphysik und der Fotoelektronik sowie als Lehrmittelhersteller weltweit einen Namen.

Zu DDR-Zeiten wurden diese Unternehmen dem Glühlampenhersteller NARVA angegliedert, produzierten aber weiterhin hochwertige Glasapparate. Viele Cursdorfer sind durch ihre früheren beruflichen Tätigkeiten der Glasverarbeitung eng verbunden. Unser Wunsch war es, dieses Wissen und die von verschiedenen Firmen übernommenen historischen Glasapparate (darunter auch Unikate) der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Diese Geräte sind heute Mittelpunkt der Ausstellung im historischen Glasapparatemuseum im Dorfgemeinschaftshaus. Hier können die Besucher seit 1999 anschaulich und abwechslungsreich den Werdegang und die Funktion von physikalischen Glasapparaten für die Lehre und Forschung besichtigen und durch Vorführungen erleben. Außerdem sind moderne Nachbildungen und historisch wertvolle Geräte, zum Beispiel aus der Bonner Werkstatt Heinrich Geißlers zu sehen, welche uns von der Universität Bonn zur Verfügung gestellt wurden.

Gut zu wissen

Historisches Glasapparatemuseum, Ortsstraße 23, 98744 Cursdorf, www.glasapparatemuseum.de, Tel. +49 (0)36705 62070. Öffnungszeiten: Di. – Fr. von 10 bis 12 Uhr, Di. und Do. 13 bis 15 Uhr. Anreise: Mit der Oberweißbacher Bergbahn bis Bahnhof Cursdorf oder mit dem Bus, Haltestelle Abzweig Bahnhof (Linien 304, 313).

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Labor des 19. Jahrhunderts – Historisches Glasapparatemuseum Cursdorf 50.571678, 11.127447 Ortsstraße 23, 98744 Cursdorf (Routenplaner)