An Feiertagen, zum Gottesdienst, als Stundenschlag — Glocken sind Teil unseres täglichen Lebens. Ihr Klang ist einfach wunderbar und irgendwann fragte ich mich, ob solche Instrumente wohl auch im Weimarer Land gegossen wurden?

Die Stadt Apolda führt in ihrem Namen den Zusatz »Glockengießerstadt«. Also sollte hier der richtige Ort sein, um meiner Frage nachzuspüren. In der Bernhardstraße 43 rufen die Lettern »Glockengießerei« über der Toreinfahrt förmlich »Herein«. Im Eingang finde ich eine Glockenrippe. Beim Glockenguss wird mittels dieser um die senkrechte Achse der Glocke rotierenden Schablone die Gussform hergestellt. Die Glockenrippe ist das Heiligtum der Glockengießer — ihr Geheimwerkzeug, wie ich mir später sagen lasse. Im Hof finde ich eine kleine Glocke auf dem Boden stehend und eine eher schmucklose an der Giebelwand. Eine Glockengießerei habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Nirgends sind Gerätschaften zum Glockenguss, dafür aber Druckmaschinen der Druckerei Kühn.

Im GlockenStadtMuseum in der Bahnhofstraße werde ich fündig. Hier kann die Glockengießertradition von Apolda erkundet werden und es gibt vieles zur Geschichte der Glocke zu erfahren. Rose, Ullrich und Schilling hießen die Gießer, die seit 1722 in Apolda Glocken gegossen haben. Ende der 1980er-Jahre endete hier diese Tradition. Im Turm der Apoldaer Lutherkirche sind Glocken aller drei Gießer vereinigt. Auf einem Foto sehe ich, wie die Toreinfahrt der heutigen Druckerei Kühn die Buchenwaldglocke in die Welt entließ. Diese dunkle Glocke tönt noch heute vom Glockenturm der KZ-Gedenkstätte auf dem Ettersberg. Der größten freischwingen Glocke in Deutschland, dem Dicken Pitter von Köln, begegne ich in der Erfurter Straße. Auch sie stammt aus Apolda. Es ist zwar eine Replik, aber die Größe ist gleichwohl beeindruckend.

Nun weckt am Stadthaus der Klang mehrerer Glocken meine Aufmerksamkeit. Hier klingt ein Teil des großen Glockenspiels, das 1989 von Peter Schilling für Apolda, aber nicht mehr in Apolda, gegossen wurde. Die Glocken haben heute einen Glockenspieler, der die Melodien per Mischpult steuert. In der Lutherkirche begegne ich den großen Glocken, dem anderen Teil des großen Glockenspiels. Sie stehen wie Klangschalen verkehrt herum und werden mit einem Hammer angeschlagen. Eine leichte Melodie könnte ich ja versuchen — und schon bin ich Glockenspielerin.

Gut zu wissen

GlockenStadtMuseum Apolda, Bahnhofstraße 41, 99510 Apolda, www.glockenmuseum-apolda.de, Tel. +49 (0)344 5152570. Geöffnet: Di. – So. und an Feiertagen 10 bis 17 Uhr. Anreise: Haltestelle Apolda Hauptbahnhof (Regionalbahn), Fußweg 10 Minuten.

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Glocken-Glocken-Glocken – Glockenguss in Apolda 51.031301, 11.532898 Bahnhofstraße 41, 99510 Apolda (Routenplaner)