Schon 1537 gab es die Brandgilde in Süderau in Schleswig-Holstein, eine regionale Brandversicherung. Die älteste heute noch bei uns existierende Versicherung ist die Hamburger Feuerkasse, gegründet 1676. Überregional waren im Deutschen Reich lange nur französische und englische Gesellschaften aktiv.

Seine Lagerhallen hatte der Gothaer Kaufmann Ernst Wilhelm Arnoldi in England versichert. Als nach einem Brandschaden von dort nur wenig Geld zurück kam, hatte er es satt! Er gründete 1820 mit Kaufleuten aus vier deutschen Staaten seine eigene Feuerversicherung, die dann landesweit tätig wurde.

Der Versicherungsschein, den Arnoldi an seine Kunden ausgab, machte die Versicherten gleichzeitig zu Anteilseignern an der »Versicherungsbank des Deutschen Handelsstandes«. Der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit war geboren. Durch geschickte Informationspolitik schaffte es Arnoldi, seine Versicherung im gesamten Deutschen Reich zu verkaufen, über die zahlreichen Zollgrenzen hinweg.

Davon zeugen die Versicherungsverträge, die in meinem Lieblingsbuch, dem Journal der Feuerversicherungsbank, fein säuberlich abgelegt sind. Zeile für Zeile erzählen sie vom Erfolg dieser Versicherungsgesellschaft. Die Versicherten zwischen Konstanz und Berlin machten ab Januar 1821 diese Versicherungsgesellschaft groß. 1827 wagte sich Arnoldi mit seiner Lebensversicherungsbank in Gotha auf ein bis dahin unbekanntes Gebiet in Deutschland. Auch dadurch gilt er in unserem Land als Vater des modernen Versicherungswesens.

Wenn ich Besucher im ehemaligen Direktionsgebäude der Gothaer Lebensversicherungsbank durch die Ausstellung führe, dann sind sie beeindruckt vom früheren Arbeitszimmer des Generaldirektors und dem Sitzungszimmer. Beides sind im Original erhaltene repräsentative Räume aus der Zeit um 1893/1894. Seltene Dokumente und vielleicht auch »seltsame« Objekte zeigen hier, wie sich die moderne Versicherungswirtschaft entwickelt hat. Die Sammlung von Spar-Uhren – Geschenke von Versicherungsgesellschaften zum Beispiel: Sie sollten Kunden anregen, regelmäßig eine Münze in einen Schlitz an der Uhr einzuwerfen. Damit die Uhr weiterlief, musste sie aufgezogen werden, wofür man erneut eine Münze opfern musste. Am Monatsende öffnete der Versicherungsvertreter den Geldschacht und entnahm das Geld. Eine gelungene Idee, um zum Ansparen der Prämie für eine Lebensversicherung zu motivieren!

Gut zu wissen

Deutsches Versicherungsmuseum Ernst Wilhelm Arnoldi, Bahnhofstraße 3A, 99867 Gotha, www.dvm-gotha.de, Tel. +49 (0)171 3522937. Geöffnet montags 10 bis 16 Uhr. Sonderführungen über die Tourist-Information Gotha, Tel. +49 (0)3621 510450. Anreise: Haltestelle Bahnhofstraße, Straßenbahn (Linien 1, 4).

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Nur ein Stück Papier – das Deutsche Versicherungsmuseum in Gotha 50.943043, 10.712271 Bahnhofstraße 3A, 99867 Gotha (Routenplaner)