ScottyScout im Gespräch mit Stephan Zänker

Stephan Zänker ist Geschäftsführer des Vereins Weimarer Republik e. V. :

Mit dem Haus der Weimarer Republik wollen wir einen Ort schaffen für alle Menschen, die vorbeilaufen, stehen bleiben und sich fragen: »Weimarer Republik, das habe ich schon mal gehört – was hat das mit mir und mit Heute zu tun?« Nach dem Umzug des Bauhaus-Museums wird in Weimar direkt gegenüber dem Deutschen Nationaltheater ab 2019 ein Forum für Demokratie entstehen, mit einem Ausstellungsbereich, Veranstaltungsräumen und einer Forschungsstelle. Der Ort hat historische Bedeutung: Gegenüber im Nationaltheater tagte 1919 die Nationalversammlung, das erste Parlament der Weimarer Republik.

Mit der Gründung der Weimarer Republik wurde das erste Mal in der Geschichte Deutschlands die Souveränität des Volkes durchgesetzt – die Rolle der Parlamente als Entscheidungsinstanzen war für die damaligen Bürger eine völlig neue Erfahrung. Die Weimarer Republik hatte eine echte Chance, eine dauerhafte Demokratie zu werden. Allerdings traf sie auf extrem ungünstige Rahmenbedingungen, wie die Wirtschaftskrise oder die außenpolitische Lage. Zudem waren die beteiligten Parteien in ihrem Handeln begrenzt – sie waren nicht darin geübt, Verantwortung zu übernehmen für ihr eigenes Tun. Die Basis der Weimarer Republik war zu schwach, um die erbitterten Angriffe von rechts, aber auch von links zu überstehen. Am Ende wurde sie von den Feinden der Demokratie zerstört, ihr folgte die schreckliche Diktatur der Nationalsozialisten.

Das Haus der Weimarer Republik will einen Beitrag zum Demokratiebewusstsein leisten. Wir wollen fragen, wie Freiheit und Demokratie gestaltet werden müssen, damit sich der Einzelne in unserer Gesellschaft wohl fühlt. Auch wenn wir heute ganz andere Rahmenbedingungen und eine stabile Demokratie haben, können wir von den Erfahrungen der Weimarer Republik lernen. Wer sich mit ihrer Geschichte beschäftigt, der erkennt, dass Demokratie nichts Selbstverständliches ist, sondern täglich verteidigt und neu errungen werden muss. Und dass mutige Männer und Frauen trotz widrigster Umstände Großes geleistet haben. Ihnen verdanken wir beispielsweise das Frauenwahlrecht, das Tarif- und Arbeitsrecht, den modernen Sozialstaat und die Arbeitslosenversicherung. Darüber hinaus standen in der Weimarer Republik deutsche Wissenschaft und Kultur in voller Blüte. Diese Ambivalenz macht die Zeit von 1918 bis 1933 so interessant und spannend.

Gut zu wissen

Haus der Weimarer Republik, ab 2019 am Theaterplatz 4, 99423 Weimar, www.weimarer-republik.net. Bis zur Eröffnung des Hauses kann man die Weimarer Republik als Wanderausstellung erleben. Information auf der Webseite des Vereins. Anreise: Haltestelle Goetheplatz, Bus (alle Linien).

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Demokratie braucht informierte Bürger – das Haus der Weimarer Republik 50.980061, 11.326237 Theaterplatz 1, 99423 Weimar (Routenplaner)