1932 eröffnete der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer die erste deutsche Autobahn — Köln-Bonn. Bis dato hatte sich vermutlich kaum jemand Gedanken darum gemacht, wie das Problem zweier sich begegnender mehrspuriger Schnellstraßen zu lösen sei. Weder die Geschwindigkeit, noch die Zahl der Fahrzeuge hatten dies nötig gemacht. Das »Kleeblatt« wurde so gleich zweimal erfunden, in den USA 1916 und 1929 durch einen Schweizer. Das Hermsdorfer Kreuz ist nach dem Schkeuditzer Kreuz in Sachsen, das zweitälteste Autobahnkreuz Deutschlands und hätte nach Plan der größte deutsche Autobahnrasthof werden sollen, was aufgrund des 2. Weltkrieges in großen Teilen nie realisiert wurde.

An der Schnittstelle jahrhundertealter Handelswege, die Richtung Süden bis nach Rom und weiter nach Osten ins Osmanische Reich führten, wurde 1936 mit der abschnittsweisen Eröffnung der Autobahnverbindung zwischen der Reichshauptstadt Berlin und München, auch der Bau des Rasthofes begonnen und 1939 abgeschlossen.

Damals waren Rasthöfe keine praktische Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr Teil der ästhetischen Planung für die Reichsautobahnen, für die auch die Landschaft entlang der Straße »umgebaut« wurde und so an besonders »schönen« Standorten, in Abständen von 150 bis 200 Kilometern, neben den notwendigen Autobahntankstellen, Rasthöfe als Orte des Pausierens für erschöpfte Automobilisten entstanden.

Der Rasthof Hermsdorfer Kreuz wurde durch die MITROPA betrieben, in gehobener Klasse mit Silberbesteck und Porzellan. Im Hotelbereich gab es auch ein Hitler-Zimmer. Adolf Hitler war hier aber nie zu Gast. Dafür durften die Rasthof-Mitarbeiter 1969 die Spieler der BSG Motor Eisenach und von Wismut Aue begrüßen und Kosmonaut Sigmund Jähn beehrte 1978 die nahe gelegene Raststätte »Teufelstal« — die auch zum Rasthof gehörte. Bemerkenswertes in Sachen Prominenz begab sich 1981: Wenige Wochen vor seiner Wahl zum Präsidenten Frankreichs, besuchte François Mitterrand Rudolstadt, von wo aus er 1941 als Kriegsgefangener geflohen war. Am Rasthof traf er sich mit Willy Brandt, der dafür extra aus dem »Westen« angereist war.

Das Restaurantgebäude steht heute unter Denkmalschutz, befindet sich weitgehend im Originalzustand und ist renoviert. Der Restaurantbetrieb ist zurück gefahren, Teile des Rasthofes wurden zugemauert, aber noch kann man hier essen. Eine Rast auf den historischen Spuren der Automobilität lohnt sich.

Gut zu wissen

Rasthof und Motel Hermsdorfer Kreuz West, Am Rasthof 1, 07629 Schleifreisen, www.ssp-hotels.de/page/hermsdorfer-kreuz, Tel. +49 (0)36601 92280. Das Restaurant ist rund um die Uhr geöffnet, es werden Zimmer vermietet. Anreise: An der A9 von Nord nach Süd und an der A4 von West nach Ost abfahren.

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Kleeblatt mit Rasthof – Automobilität & das Hermsdorfer Kreuz 50.875487, 11.845606 Am Rasthof 1, 07629 Schleifreisen (Routenplaner)