von Gastautor Lars Wollschläger

Lars Wollschläger leitet seit 15 Jahren das Forstamt Heldburg:

Wie fast überall in Mitteleuropa sind die Wälder in Thüringen über die Jahrhunderte durch den Menschen von einer Natur- zu einer Kulturlandschaft geformt worden. Die Waldflächen sind begrenzt und die klassische Waldwirtschaft wird von vielfältigen anderen Nutzungsformen, von Landwirtschaft bis Tourismus, berührt. Unsere Aufgabe als Forstamt ist es, all diese Nutzungen in Einklang zu bringen und Verhältnisse zu schaffen, unter denen der Wald wachsen, sich entwickeln und bewirtschaftet werden kann. Die artenreichen Mischwälder im Forstamtsbereich Heldburg sind beliebte Ziele für Ausflügler und Wanderer. Und neben der Waldwirtschaft, also dem Holzeinschlag, gehören natürlich auch Umweltbildung und Waldpädagogik zu unseren Aufgaben. Die Revierförster nehmen Schüler aller Klassenstufen mit auf Försterwanderungen, bei denen das Schulwissen über den Wald durch eigenes Erleben vor Ort vertieft wird. Die Entfremdung des Menschen von der Natur wird ja immer stärker.

Eine dienende Funktion für die Waldbewirtschaftung im Aufgabenbereich der Förster ist natürlich auch die Jagd. Das Wild, bei uns hauptsächlich Rehwild und Schwarzwild, hat keine natürlichen Feinde mehr und ohne eine Regulierung würden sowohl im Wald als auch auf den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen große Schäden entstehen. Die Jäger sorgen dafür, dass die aus dem Gleichgewicht geratenen Populationen wieder auf ein Niveau gebracht werden, das die wirtschaftlichen und ökologischen Interessen in unserer Kulturlandschaft in Einklang bringt.

Während das Schwarzwild vor allem den Landwirten Ärger bereitet, gefährden Rehe und Rotwild die natürliche Verjüngungsfunktion des Waldes. Sie knabbern am liebsten die proteinreichen Knospen der jungen Bäume, bevor diese so weit heranwachsen können, dass sie keinen bleibenden Schaden mehr nehmen. Eine professionell ausgeführte Dezimierung der Populationen geht hier also Hand in Hand mit den Interessen des Naturschutzes. Die fach- und tierschutzgerechte Jagd ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die alle Sinne fordert. Aus meiner Sicht ist es ein Privileg einen Jagdschein zu besitzen, dem die Jäger in unserem Gebiet sehr gut gerecht werden. Die Lizenz für den Jagdwaffenbesitz muss alle drei Jahre verlängert werden.

Gut zu wissen

Forstamt Heldburg, Burgstraße 212, 98663 Bad Colberg-Heldburg, www.thueringenforst.de/ueber-thueringenforst/forstaemter/forstamt-heldburg, Tel. +49 (0)36871 2810. Angebote: Umweltbildung, Wildbret, Holz. Nahe des Forstamtes liegt die Jagdwaffen-Fabrik Heym, Führungen durch die Produktion buchbar auf www.heym-fabrik.de.

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Kulturlandschaftspflege durch Jagd in Thüringens südlichstem Forstamt 50.369290, 10.607830 Am Aschenbach 2, 98630, Gleichamberg, Römhild, Deutschland (Routenplaner)