von Gastautor Thomas Schwämmlein

Der Autor ist Kreisheimatpfleger im Landkreis Sonneberg:

Vorne Klinker, Stuck und repräsentative Fassaden, hinten nüchterne Fachwerkwände – in der Sonneberger Innenstadt kann noch heute die Hochphase der Industrialisierung zwischen Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts abgelesen werden. Nach Gewerbefreiheit (1862) und Gründung des Deutschen Reiches (1871) wurde die Stadt binnen weniger Jahrzehnte zum Mittelpunkt der Weltspielzeugindustrie. Vor 1914 liefen 20 Prozent des gesamten Spielzeughandels der Welt über Sonneberg. Zwischen 1851 und 1898 war Sonneberg sogar Sitz eines Konsulats der Vereinigten Staaten von Amerika.

Ablesbar war dieser Aufschwung auch an der städtebaulichen Entwicklung. Ein 1836 aufgestellter Erweiterungsplan der Stadt musste bis 1900 mehrfach nachjustiert werden, während der regelmäßige, schachbrettartige Grundriss beibehalten wurde. Die charakteristische dezentrale Struktur der Spielzeughausindustrie hat sich im Stadtbild bis heute erhalten. Stadtbildprägend waren nicht große zentrale Fabrikationsstätten, sondern kleine und kleinste Familienbetriebe, in denen sehr oft nur Teilprodukte wie Arme, Köpfe oder Beine gefertigt, oder sich hochspezialisierte Fachleute um das Einsetzen der Schlafaugen in die Köpfe oder die Frisur der Puppen kümmerten. Diese Organisation war bis über die Zeit des Ersten Weltkriegs hinaus gegenüber großindustriellen Mitbewerben im In- und Ausland konkurrenzfähig.

Die »Historische Meile« erschließt über eine Strecke von vier Kilometern die einzelnen Standorte der Spielzeugindustrie. Während vorne an den Straßen repräsentative Geschäftshäuser, sehr oft mit reicher Fassadengestaltung mit Klinkerverblendung, Stuck und Zierfachwerk, stehen, sind die eigentlichen Fabrikgebäude nüchtern gehalten. Die zeitliche Spannweite der erhaltenen Gebäude reicht von den biedermeierlichen Villen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu historistischen Fassaden an den Geschäftshäusern der wilheminischen Zeit.

Besonders markant sind die Zeugnisse des Spielzeughandels, beispielsweise das Mitte der 1920er-Jahre errichtete Geschäftshaus des US-amerikanischen Exportunternehmens S.S. Kresge in der Gustav-König-Straße in den Formen der Art Déco. Dazu kommen die Fabrikationsstätten heimischer Spielzeugproduzenten in der Cuno-Hoffmeister-Straße.

Gut zu wissen

Touristinformation & Naturparkcenter Sonneberg (im Hauptbahnhof), Bahnhofsplatz 3, 96515 Sonneberg, www.sonneberg-tourismus.de, Tel. +49 (0)3675 702711. Öffnungszeiten Mo. – Do. 9 bis 17 Uhr, Fr. bis 15 Uhr, Sa. bis 12 Uhr. Führungen auf der historischen Meile auf Anfrage. Anreise: Hauptbahnhof Sonneberg, Regionalbahn.

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Arbeiten und wohnen unter einem Dach in der Weltspielzeugstadt Sonneberg 50.362382, 11.173010 Bahnhofsplatz 3, 96515, Sonneberg (Routenplaner)