von Gastautorin Elke Pudszuhn

Die ehemalige Leiterin des Bezirksparteiarchivs der SED in Suhl und engagierte Antifaschistin war an der Gestaltung der Ausstellungen zum ehemaligen MOPR-Kinderheim beteiligt:

»Als mein Vater im März 1927 erneut verhaftet wurde und meine Mutter illegal lebte, kam ich ins MOPR-Heim nach Elgersburg […]«. So berichtet Lore Rutz, Tochter eines »verfolgten proletarischen Kämpfers«, in ihren Erinnerungen. Die der KPD nahe stehende »Rote Hilfe Deutschland« entstand in der Folge der politischen Repression nach den Märzkämpfen und hatte das Haus 1924 unter bürgerlicher Tarnung zur Nutzung als Erholungsheim für die Kinder politisch Verfolgter erworben. Sie ist eng verbunden mit der »Internationalen Roten Hilfe« – auf Russisch МОПР/MOPR, die sich 1922 in Moskau als politisches Gegenstück zum Roten Kreuz gegründet und der weltweiten Unterstützung von Kämpfern der Revolution verschrieben hatte.

Das Elgersburger Heim wurde Ostern 1925 vom damaligen Leiter der Roten Hilfe Deutschland und späteren SED-Vorsitzenden und Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, eingeweiht. Bis 1928 konnten hier mehrere hundert Kinder unbeschwerte Wochen verbringen. Viele von ihnen litten unter Tuberkulose und an Unterernährung. Die Finanzierung wurde aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen bestritten, dem »Kuratorium der Kinderheime der Roten Hilfe Deutschland« gehörten Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Heinrich und Thomas Mann sowie Kurt Tucholsky an.

In der Thüringer Staatsregierung setzte die Faschisierung früh ein, 1928 wurde der Betrieb als Kinderheim untersagt. Bis zur »Machtergreifung« 1933 wurde das Haus noch von der KPD als Bildungs- und Erholungsstätte genutzt, dann zog die Hitlerjugend ein, von 1941 bis 1945 war es Kinderheim der Kriegsmarinestiftung und auch nach dem Krieg bis 1955 wieder ein Kinderheim. Während der deutschen Teilung diente das Haus dann die meiste Zeit als Erholungsheim, eine Ausstellung erinnerte an die MOPR-Zeit. Mit der »Wende« hatte die Treuhand ein Auge auf das Objekt geworfen. Dass sich das Hotel am Wald heute im Besitz der Linkspartei befindet, ist einem Originalkaufvertrag mit Eintragung ins Grundbuch von 1924 zu verdanken. Diesen hatte ich irgendwann während meiner Tätigkeit im SED-Bezirksparteiarchiv Suhl gefunden.

Heutzutage steht das Hotel am Wald jedermann offen. Eine Ausstellung erinnert wieder an die bewegte Geschichte des Hauses.

Gut zu wissen

Hotel am Wald, Schmücker Straße 20, 98716 Elgersburg, www.hotel-am-wald.com, Tel. +49 (0)3677 79800. Die Ausstellung ist für jedermann zugänglich. Anreise: Bahnhof Elgersburg, Erfurter Bahn. Von da ca. 13 Min. zu Fuß.

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»Haus in idyllischer Lage« – das ehemalige MOPR-Kinderheim Elgersburg 50.702550, 10.844780 Schmücker Straße 20, 98716 Elgersburg (Routenplaner)