Als Stadtführer in Jena freue ich mich auf die Besichtigung des Karmelitenklosters, das 2017 erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Ein Schatz der gehoben wird und unmittelbar mit Martin Luther in Verbindung steht.

Nachdem Johann Friedrich der Großmütige im Schmalkaldischen Krieg auch militärisch für die Reformation einstand, aber in der Schlacht von Mühlberg an der Elbe 1547 gegen den katholischen Kaiser Karl V. verlor, blieb dem entmachteten Kurfürsten als Gebietsrest nur noch die alte Landgrafschaft. Infolgedessen erhob er Weimar zur Residenz- und Jena zur Universitätsstadt. Die Gründung der neuen Hochschule an der Saale wurde sogleich zum Hort des »wahren Luthertums« ernannt, ein Schwerpunkt war die Ausbildung der protestantischen Landespfarrer.

Noch heute zählt die Friedrich-Schiller-Universität in Jena zu den wichtigsten Luther-Forschungsstellen, zumal die kurfürstlichen Sammlungen aus Wittenberg den Grundstock der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek bilden. Die Bibliothek bewahrt zudem einen reichen Schatz aus Quellen, Urkunden und Drucken zur Reformationsgeschichte, wie beispielsweise Luthers Handexemplare des Alten und Neuen Testaments oder die Aufzeichnungen seines Wegbegleiters Georg Rörer, anhand derer der berühmte Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche erstmals schriftlich belegt werden konnte.

Ein anderer Gefährte des Reformators, der Gothaer Theologe Friedrich Mykonius, hatte recht, als er kurz nach Luthers Tod meinte: »Dieser Doktor Luther ist gar nicht gestorben…« Dies zeigte sich zum Beispiel in der Herausgabe der Schriften Luthers, seiner Reden, Briefe und Handschriften ab 1553 in Jena. Gedruckt wurden diese Schriften in eben diesem Karmelitenkloster in Jena, einem säkularisierten Klosterareal vor den südlichen Stadtmauern. Im gotischen Gebäudeensemble aus Sakristei und Kapitelsaal präsentieren sich den Besuchern ab 2017 spannende archäologische Funde, darunter Drucklettern, Farbgefäße oder Buchschließen, die neben Archivalien und anderen Dokumenten Stadt- und Reformationsgeschichte erzählen. Die Bedeutung des Ensembles geht aber über den Bezug zur Reformation hinaus: In städtisches Grün eingebettet, ist das Baudenkmal auch das einzig erhaltene bauliche Zeugnis des Karmelitenordens in Thüringen.

Gut zu wissen

Ehemaliges Karmelitenkloster, Engelplatz, 07743 Jena. Öffnungszeiten: Im Rahmen von Sonderführungen und -veranstaltungen durch die städtischen Museen wird das Areal ab Frühjahr 2017 zugänglich sein. Anreise: Haltestelle Stadtzentrum, Straßenbahn (Linien 1, 2, 4, 5, 33, 34, 35).

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Luther druckfrisch – Jenaer Reformationsgeschichte im Karmelitenkloster 50.925862, 11.584203 Engelplatz, 07743 Jena (Routenplaner)