von Gastautor Paul Andreas Freyer

Der Autor ist Vorsitzender des Johannes Falk e.V. in Weimar:

Jedes Jahr am 28. Oktober – dem Geburtstag von Johannes Daniel Falk (1786-1826) – zieht der »Johannes-Umzug« durch Weimar: Vom Falk-Denkmal am Graben geht es mit Lampions, Lichtern und Laternen zum Lutherhof, dem Marktplatz und in die Schillerstraße. An den historischen Stätten erfahren die Besucher Interessantes und Wissenswertes über den Urvater der Inneren Mission. Zum Abschluss erklingt die Originalversion seines Dreifeiertagsliedes »O, du fröhliche«.

Im kleinsten musealen Raum der Stadt, in der Luthergasse 1A, wird an den Mann erinnert, der von Danzig über Halle nach Weimar kam. Es lohnt sich mehr zu erfahren, denn die Ideen und Ideale des Schriftstellers, Satirikers und Sozialreformers sind auch heute noch aktuell. Zum Ende der napoleonischen Kriege – ab 1813 – kümmerte sich Falk besonders um Kriegswaisen. So gründete er eine Sonntagsschule. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen lernten die Kinder dort auch Bibeltexte, christliche Lieder und Texte aus dem Katechismus von Luther.

Letzten Endes war Johannes Falk ein Mitentwickler, wenn nicht gar der Erfinder der modernen Jugendsozialarbeit. Hilfe zur Selbsthilfe stand bei ihm ganz oben auf der Prioritätenliste: »Kindern denen man beibringt Schlösser zu fertigen, werden diese nur schwerlich erbrechen.« Falk war überzeugt von seinem Konzept und die Waisenkinder in seinem Institut fühlten sich tatsächlich gut aufgehoben, denn alles geschah »ohne Kette, ohne Zwang, ohne Schläge bei völlig unverschlossenen Türen und Toren. Sie können alle davonlaufen, aber es läuft keiner davon.«

Ganz im Sinne seines Namensgebers initiiert und begleitet der Johannes Falk e.V. heute soziale Projekte: Kinder aus sozial schwachen Familien können zu Sommerfreizeiten fahren, es wird Hilfe bei Hausaufgaben angeboten oder der Musikunterricht finanziert.

Tradition hat auch das von Sponsoren unterstützte Projekt »Weihnachten bei Sophie«. Den heiligen Abend am 24. Dezember feiern der Johannes Falk e.V. und die Tafel Weimar zusammen mit Menschen, die sonst niemanden haben. Ein Weihnachtsabend im Sinne Falks, mit traditionellen Liedern, einem Festessen und einer Tombola. Unser Motto: »Keiner bleibt einsam, wir feiern gemeinsam«.

Gut zu wissen

Lutherhof mit Johannes Falk Museum, Luthergasse 1A, 99423 Weimar, www.johannesfalkverein.de. Geöffnet auf Anfrage. Kontakt siehe Webseite bzw. Tel. +49 (0)3643 86290 (Hotel und Gasthaus zur Sonne). »Falktouren« zu Fuß oder mit der Kutsche können ebenfalls gebucht werden. Anreise: Haltestelle Goetheplatz, Bus (alle Linien), weiter 7 Min. zu Fuß.

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Das Erbe Johannes Falks in Weimar – soziales Engagement für Mitmenschen 50.981940, 11.330400 Luthergasse 1A, 99423 Weimar (Routenplaner)