von Gastautoren Anja Fehre und Florian Voß

Die beiden Autoren arbeiten in der neuen Kartenmacherwerkstatt im Residenzschloss Altenburg:

Die Kittelschürzen ordentlich um die Hüfte gebunden, ein Paar Schutzhandschuhe in Größe S über die kleinen Finger gezogen und nun mit Farbrollen bewaffnet, setzen die zehnjährigen Mädchen und Jungen einer regionalen Grundschule zum finalen Farbauftrag auf die nachgemachten Modelle einiger historischer Holzdruckstöcke an: Wir befinden uns in der neuen Medien- und Druckwerkstatt im Altenburger Residenzschloss. Jede Menge neugierige Handwerker eifern hier den alten Kartenmachern des 15. und 16. Jahrhunderts nach und drucken per Hochdruckverfahren, dessen Technik ähnlich dem Stempeln ist, einen Kartenbogen ab. Sobald die Farbe mit der Rolle gleichmäßig auf das Modell aufgebracht wurde, wird es richtig spannend: Jetzt geht es an die etwa 500 Kilogramm schwere Hochdruckpresse, die auch die Kinder mit Anleitung selbst bedienen dürfen.

Mit einem derb-lauten Klacken löst sich die schwere Halbrolle aus ihrer Verankerung und wird mit ein wenig Anstrengung in Fahrt gesetzt: Werkstatt-Feeling pur an dieser mächtigen Maschine. Die Rolle fährt nun per Muskelkraft über den Holzdruckstock, auf den zuvor ein Papierbogen aufgelegt wurde. Das Bild des Modells überträgt sich auf das Papier. Sobald die Rolle wieder fest in ihrem Haken sitzt, greifen die kleinen Finger mit den übergezogenen Schutzhandschuhen zum Papier und ziehen es in ungeduldiger Spannung vom Holzdruckstock.

Seit dem 19. Juni 2016 probierten sich zahlreiche Besucher des Schloss- und Spielkartenmuseums in der neu eingerichteten Kartenmacherwerkstatt aus. Sie schauten dabei dem Lehrmeister über die Schulter, schnupperten echte Druckerfarbe und hatten sie an den gut geschützten Händen kleben – ein Museumserlebnis für echte Praktiker und nicht nur für junge Besucher eine faszinierende Erfahrung. Die meisterhaften Druckergebnisse dürfen anschließend natürlich mit nach Hause genommen werden. Auch der Entwurf einer eigenen Karte mit Grafik-Tablet, Computer und 3D-Drucker ist möglich: quasi Kartenmacher 2.0. In einem zweistündigen Workshop entwirft der Besucher eine Druckvorlage am PC-Bildschirm, die dann über die beiden 3D-Drucker greifbar gemacht und in der Werkstatt abgedruckt werden kann. So entstehen echte Unikate und mitunter kleine Kunstwerke.

Gut zu wissen

Schloss- und Spielkartenmuseum, Schloss 2-4, 04600 Altenburg, www.residenzschloss-altenburg.de, Tel.: +49 (0)3447 512710. Öffnungszeiten: Di. – So. 9.30 bis 17 Uhr. Anreise: Bahnhof Altenburg, Regionalbahn. Weiter zu Fuß (1,3km) durch den Schlosspark.

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Die Altenburger Kartenmacherwerkstatt – mit Praktikern im Museum 50.988243, 12.439554 Schloß 2-4, 04600 Altenburg (Routenplaner)