Die Suche nach den Spuren meiner Vorfahren hat mich in ein romantisches Waldtal im thüringischen Eichsfeld geführt. Mein Vorfahre Amtsvogt Johann Elgot, der eigentlich ein Gegner der katholischen Kirche war und den 1607 die Gegenreformation des Mainzer Erzbistums das Amt kostete, soll hier 1585 aufgrund wundersamer Ereignisse das Kirchlein »Klüschen Hagis« (ursprünglich Klus Hagis = kleine Klause des Hagens) auf einer Waldlichtung errichtet haben.

Als ich die sonnendurchflutete Lichtung betrete, umfängt mich Waldeinsamkeit und nur das Klopfen eines Spechtes ist dumpf in der Ferne zu vernehmen. Satt-grüner Rasen breitet sich vor der Kirche aus. Die alten Linden säuseln im Wind und das Wasser der kristallklaren Quelle gurgelt im dichten Gehölz, das sich bis zu den mächtigen Mauern des ehemaligen Amtssitzes meines Vorfahren, der Burg Gleichenstein, hinauf erstreckt. Dass es sich bei der Kirche um einen sehr bedeutenden Wallfahrtsort handelt, der vor allem an Christi Himmelfahrt von tausenden katholischen Pilgern besucht wird, kann ich in diesem Moment vollkommener Idylle kaum glauben.

Grund für die Popularität der Stätte ist eine Legende, die sich um ein Marien-Gnadenbild rankt. Um 1583 soll es unweit der jetzigen Kirche am Ufer der Quelle gefunden und unverzüglich in das Wachstedter Gotteshaus gebracht worden sein. Doch dort schien es einfach nicht bleiben zu wollen und wurde jeden neuen Tages wieder an der gleichen Stelle gefunden. Das veranlasste meinen lutherischen Vorfahren auf dem Hügel bei der Quelle auf Kosten des Erzstifts ein Kirchlein zu erbauen, wo das Bild dann seltsamerweise auch unverrückt stehen blieb. Bei dem legendären Werk handelt es sich um eine Pieta (auch Vesperbild mit der Darstellung Marias als Schmerzensmutter genannt), deren volkstümlich gearbeitetes Sakralwerk darauf schließen lässt, dass es aus der Region stammt und um etwa 1400 entstanden ist.

Mit Errichtung der Kapelle verwandelte sich die geheimnisvolle Lichtung samt vermeintlicher Heilquelle in einen Fürbittort für Generationen von gläubigen Eichsfeldern. Heute ist hier der Gottesdienst im Freien an der mittlerweile vergrößerten und im 18. Jahrhundert barockisierten Kirche zu einer echten Sensation für Gläubige weit über das Eichsfeld hinaus geworden.

Gut zu wissen

Klüschen Hagis, 37359 Wachstedt. Die Lichtung findet sich im Wald an der K230 zwischen den Orten Wachstedt und Martinfeld. Von Mai bis Oktober gibt es einen sonntäglichen Gottesdienst im Freien. Anreise: Mit dem Auto oder zu Fuß (3 km von Martinfeld bzw. 2,5km von Wachstedt).

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Klüschen Hagis – legendenumwobene Kapelle im Eichsfeld 51.292358, 10.217199 Klüschen Hagis, 37359 Wachstedt (Routenplaner)