Dicht an die Stufen gedrängt stehen Senioren und hantieren mit Fotoapparaten. Eine Schulklasse ist aufgetaucht und tobt durch die Gegend. Die Stadtführerin versucht sich Gehör zu verschaffen, während zwei Hunde in der flachen Gera um die Wette rennen. Ich sitze auf den warmen Stufen und schaue ebenfalls auf die Krämerbrücke mit den von Blumen überladenen Balkonen. Man sieht, mit wie viel Freude die Menschen hier arbeiten und leben. Jedes der 32 Häuser auf der Brücke ist etwas ganz Besonderes. Es wird Kunsthandwerk verkauft, Antiquitäten und Schokolade. Im Haus der Stiftung können Einheimische und Touristen ein Krämerbrückenmodell bestaunen und mehr über die Geschichte dieses charmanten Bauwerkes erfahren. Ein paar Häuser weiter arbeitet der Puppenbauer Martin Gobsch, dessen mechanisches Puppentheater jeden Tag unzählige kleine und große Menschen mit offenen Münder vor dem Schaufenster stehen lässt.

Neben mir füttert ein Pärchen Spatzen, welche nun in Scharen herbei fliegen. Schnell stecke ich mir mein Schokobrötchen in den Mund, das ich mir vom Bio-Bäcker um die Ecke geholt habe. Ein Bäcker, bei dem wirklich noch alles per Hand selbst gebacken wird – von der Rosinenbuchtel bis hin zur Radieschen-Schmand-Pizza und bei dem es keine festen Öffnungszeiten gibt. „Geöffnet solange die Fahne draußen weht“, sagt das Schild an der kleinen Eingangstür. Ein kleines Mädchen steckt neben mir ihre Füße in den Fluss und rennt anschließend quietschend zu ihrer Mutter. Von hinten nähert sich der Brezelverkäufer, unverkennbar durch das Geläut seiner Schellen und preist rufend sein frisches Gebäck an.

Es ist warm und riecht nach Sommer. Einige Jugendliche haben sich auf der anderen Gera-Seite ins Gras gelegt und lassen die Sonne auf die nackten Bäuche scheinen. Ich lausche Diskussionen über Theaterstücke und dem Abenteuer der Freiheit. Intuitiv scheint jeder zu spüren, dass dies ein Ort für wichtige Themen ist. Positiv und lebensbejahend. Hier auf den Stufen zur Krämerbrücke sitzen Hipster und Punks, Büroleute und Obdachlose nebeneinander. Leere Bierdosen stehen neben feinen Aktentaschen. Eine graue Katze wandert von Einem zum Anderen und erschleicht sich ihre Streicheleinheiten. Sie macht keinen Unterschied zwischen den Leuten. Und hier macht es auch kein Anderer.

Gut zu wissen

Krämerbrücke, 99084 Erfurt. Die Brücke ist eines der ältesten Bauwerke der Stadt und zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen Erfurts. Sie überspannt den hier »Breitstrom« genannten Fluss Gera. Die Besonderheit der Krämerbrücke ist ihre beidseitige, geschlossene Bebauung mit Fachwerkhäusern. Anreise: Haltestelle Fischmarkt/Rathaus, Straßenbahn (Linien 3, 4, 6).

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Ein Platz für jeden an der Krämerbrücke 50.978741, 11.031226 Krämerbrücke, 99084 Erfurt (Routenplaner)