von Gastautor Ulf Morgenroth

Ulf Morgenroth aus Kleinhettstedt im Ilmtal ist Müller in neunter Generation:

Es wirkt, als hätte jeder Winkel des imposanten Mühlenkomplexes in Kleinhettstedt eine eigene Geschichte zu erzählen. Mauerreste weisen darauf hin, dass die Wasserkraft der Ilm den Menschen hier schon im 13. Jahrhundert die Arbeit erleichterte. Seit nunmehr fast 300 Jahren, nämlich seit dem 15. Januar 1732, befindet sich die Mühle im Besitz unserer Familie, mittlerweile in der neunten Generation.

Die Mehlmüllerei war schon in früheren Zeiten kein leichtes Geschäft. Und damals wie heute musste man als Unternehmer flexibel sein. Über die Jahrhunderte wurden hier neben Getreide auch Senf und Öl gemahlen, Kleesamen gestampft und die Ilm trieb hier außerdem eine Schneide- und eine Gipsmühle an. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Wasserräder stillgelegt und fortan setzte erst Dampf, dann Diesel und schließlich ein Elektromotor die Mahlwerke in Bewegung. Der technische Fortschritt bot neue Möglichkeiten, meine Vorfahren konzentrierten sich nun wieder ganz auf das »Kerngeschäft« der Müllerei: Man produzierte hier täglich 65 Tonnen Mehl, als die Mühle 1972 enteignet und in einen VEB überführt wurde.

Nach der Wiedervereinigung bekamen wir nicht nur die Mühle zurück, sondern mit ihr auch die Altschulden des VEB. Die Familie war sich einig, dass man nicht verkaufen würde. Also baute die Treuhand »nur« die gut erhaltene Roggenmühle ab und für uns hieß es: die Ärmel hochkrempeln und in dem halb leeren Gebäude etwas Neues entstehen lassen. Für eine Standard-Mehlmühle war das Gebäude zu klein, für die Spezialisierung auf Nischenprodukte zu groß. Also wurden erst einmal Ferienwohnungen und ein Veranstaltungssaal gebaut und im alten Stall eine Gastwirtschaft eingerichtet.

Seit 1999 mahlt die alte Weizenmühle wieder, die Technik dafür wurde denkmalgerecht wieder hergestellt. Jedoch wird hier kein Getreide, sondern Senfsaat gemahlen. Besucher können die traditionelle Senfherstellung erleben, im Hofladen einkaufen, bei uns feiern und übernachten. Die Mühle ist – so wie einst – wieder zum Familienbetrieb mit verschiedenen Standbeinen geworden. Eine schöne Lebensaufgabe mit dem Ziel, das Unternehmen ohne Schulden und in gutem Zustand an die nächste Generation zu übergeben.

Gut zu wissen

Kunst- und Senfmühle, Kleinhettstedt 44, 99326 Ilmtal, www.senfmuehle-thueringen.de, +49 (0)3629 801037. Öffnungszeiten: Apr. – Nov. von Mo. – Sa. 10 bis 18 Uhr, So. 10 bis 17 Uhr; Dez. – Mrz. von Di. – So. 10 bis 16.30 Uhr. Anreise: Haltestelle Kleinhettstedt, Bus (Linie 366).

Karte wird geladen - bitte warten...

Eine Familienangelegenheit - Kunst- und Senfmühle Kleinhettstedt 50.789602, 11.141011 Kleinhettstedt 44, 99326 Ilmtal (Routenplaner)