Wenn ich den Fuß durch die Toreinfahrt des ehemaligen Ritter- und heutigen Landgutes Holzdorf setze, begleitet mich immer wieder eine Frage: Welches Geheimnis wird wohl heute gelüftet? So oft ich auch komme, es bleibt immer spannend. Denn verborgene Wissensschätze gibt es in den geschichtsträchtigen Mauern viele.

Schon der Anblick des Herrenhauses beeindruckt mit seinem Wechselspiel aus herrschaftlich-rustikaler Schindelfassade und dem riesigen Refugium des romantischen Gutsparks mit seinen fein geschwungenen Kieswegen. Vom wunderbaren Glasfenster des Treppenhauses öffnet sich der Blick auf die vom Heidelberger Gartenarchitekten Franz Wirtz architektonisch gestalteten Grünflächen. Aus dem Musikzimmer glaubt man noch heute die Klavierklänge von Frieda Kwast-Hodapp, der Regerschülerin und Lebensgefährtin des Hausherren und Industriellen, Dr. Otto Krebs, zu erlauschen. Als besonderes Highlight laden an manchen Tagen die Reproduktionen der Gemälde des Kunstsammlers Dr. Krebs im Herrenhaus zum Anschauen und Nachdenken ein. Die Originale verließen in den Nachkriegswirren das Landgut und sind heute in St. Petersburg zu besichtigen. In den letzten Jahren haben künstlerisch hochwertige Reproduktionen ihren Platz eingenommen und komplettieren das Ambiente, in dem hier gelebt, musiziert und geträumt wurde.

Mit zunehmender Entfernung vom Herrenhaus gleitet der planvoll angelegte Teil des Parkes fast unmerklich in scheinbar unberührte Vegetation und lädt zum Träumen und Meditieren ein. Im Gebirgsareal schweifen die Gedanken zu den Almen und Matten der Hochgebirge, im Mai und Juni duftet der Rosenhain betörend. Und immer wieder rufen kleine Arrangements ins Gedächtnis, dass all dies von Menschenhand geschaffen wurde: kleine Steinbrücken, moosbesetzte Putten, rotgeziegelte Bassins. Hier sind Kunst und Natur eins geworden. Vögel und Bienen brummen und zwitschern, als wollten auch sie ihren musikalischen Teil zum Gesamtkunstwerk beitragen. Der Wind weht das Lachen der Kinder aus dem Waldkindergarten herüber.

Hier kann ich vom Trubel des Lebens ausspannen, kann immer wieder neue Nuancen der Verschmelzung von Kunst und Natur entdecken und mich vom Kinderlachen anstecken lassen. Hier wird vieles andere belanglos und weniger wichtig – eine Oase des stillen Genießens.

Gut zu wissen

Landgut Holzdorf, Otto-Krebs-Weg 5, 99428 Holzdorf/Weimar, www.diakonie-wl.de, Tel. +49 (0)3643 777880. Öffnungszeiten: Park ganzjährig, Führungen nach Voranmeldung möglich. Cafeteria Mo. – Fr. 8 bis 16 Uhr. Anreise: Regionalbahn ab Hauptbahnhof Weimar in Richtung Kranichfeld, Haltestelle Holzdorf.

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Natur, Kunst und Architektur - das Landgut Holzdorf lädt zum Entdecken seiner Geheimnisse ein 50.939400, 11.276900 Otto-Krebs-Weg 5, 99428 Weimar (OT Holzdorf) (Routenplaner)