Manchmal passiert etwas Besonderes. Etwas, das sich in der heutigen Zeit nicht richtig erklären lässt. So auch bei der Erfurter Mikwe. Doch von Anfang an: Das Ritualbad wurde im 13. Jahrhundert errichtet und hatte damals eine große Bedeutung für die jüdischen Bewohner Erfurts. Jeder Jude, der mit etwas – im religiösen Sinne – Unreinem zu tun hatte, wie Blut oder Tote, besuchte zusammen mit einem Badediener das Bad, um sich zu reinigen. Wichtig für eine Mikwe ist, dass sie mit lebendigem Wasser gespeist wird. Bei der Erfurter Mikwe ist dies durch das Grundwasser gegeben.

Nach der Vertreibung der Juden 1453 wurde das Bad verfüllt und als Keller genutzt. Nachdem das zum Keller gehörige Haus zerstört wurde, wurde eine Grünfläche über der Mikwe angelegt. Aufgrund von Schriftquellen wussten Archäologen jedoch von deren Existenz. Als 2007 bei einem gut besuchten Krämerbrückenfest eine Steinmauer an der Gera einbrach, war dies der Beginn von Bauarbeiten. Endlich hatten Archäologen die Möglichkeit, das Gebiet zu untersuchen. Doch sie wurden nicht fündig. Auch durfte nicht die komplette Grünfläche umgegraben werden, da ausgerechtet in der Mitte ein unter Naturschutz stehender Baum stand. Die Zeit drängte, am Montag sollten die Bagger anrücken und die Grünfläche wieder herrichten. Dies hätte das Aus für die Forschung der Archäologen bedeutet. Da fiel am Freitag plötzlich der alte, geschützte Baum über der Mikwe um. Es schien fast so, als wollte dieser Ort von den Archäologen gefunden werden.

Heute kann die Mikwe im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Diese Führung bietet dabei nicht nur Einlass in diesen besonderen Ort, sondern auch Informatives. Die Mitarbeiterin der Alten Synagoge informierte bei meinem Besuch eine kleine Gruppe von etwa 15 Personen 20 Minuten lang über die Geschichte der Mikwe. Obwohl der dunkle Raum nur neun mal drei Meter groß ist, hat er mich sehr beeindruckt. Er ist gut erhalten und mithilfe der Erklärungen konnte ich mir genau vorstellen, wie das heilige Wasser früher genutzt wurde. Steinstufen führen in das Wasserbecken, ein Stein an der Seitenwand diente zum Abstellen einer Öllampe. Ein faszinierender Ort, der immer noch das Intime und Heilige der Vergangenheit in sich trägt.

Gut zu wissen

Mittelalterliche Mikwe an der Gera, Kreuzgasse, 99084 Erfurt, www.juedisches-leben.erfurt.de. Die mittelalterliche Mikwe ist im Rahmen von gebuchten und öffentlichen Führungen (Eintritt frei) zu besichtigen: April bis Oktober, Do. 16 Uhr und Sa. 14 Uhr; November bis März, Do. 15 Uhr. Außerhalb von Führungen ist das mittelalterliche Tauchbad jederzeit über ein Fenster im Dach des Schutzbaus einsehbar. Anreise: Haltestelle Fischmarkt/Rathaus, Straßenbahn (Linien 3, 4, 6).

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Der wiederentdeckte Ort – die Mikwe 50.979353, 11.030153 Kreuzgasse, 99084 Erfurt (Routenplaner)