Die Wünsche des Milchhof Arnstadt e.V. für den »Milchhof« scheinen klein — ein dichtes Dach, trockene Räume und Glasfenster, dort wo bis vor kurzem noch der Zahn der Zeit und Vandalismus Leere, Zerstörung und Verfall hinterließen. Öffentliche Gelder wurden eingeworben, erste Begehungen und Veranstaltungen beleben den Ort neu, der Kulturzentrum, Galerie, wieder ein lebendiger Ort werden will.

1929 eröffnete der Milchhof Arnstadt als Genossenschaftsmolkerei, um »die Bevölkerung mit hochwertiger, einwandfrei behandelter Milch und Milchprodukten zu versorgen« oder etwas volkstümlicher, wie es die »Eröffnungs-Anzeige.« im Arnstädter Anzeiger verkündete: »Einem geehrten Publikum von Arnstadt und Umgebung bringen wir hiermit ergebenst zur Kenntnis […] Ausgerüstet mit den neuzeitlichsten Einrichtungen […] Dauererhitzte, keimfreie Frischmilch in Kannen und Flaschen […], prima Schlagsahne, Speisequark, hochfeinste Tafelbutter […]«.

Architekt Martin Schwarz hat für den Industriebau die Methodik damals modernster Milchproduktion in die Anmutung des Gebäudes übersetzt: Die Anordnung und der Grundriss der Räume, in einen großen weithin sichtbaren Ziegel-Kubus »verpackt«, spiegeln den Produktionsablauf von Anlieferung über Verarbeitung, Lagerung und Abholung der Milch. Der Einsatz von Stahl-Beton für Treppen und Decken, Fenster mit Metall-Rahmen und Eisen-Geländer sowie Schiebetüren machen den Bau äußerst funktional und gerade das entfaltet eine ganz eigene, damals noch neue und bis heute höchst »modern« gebliebene Ästhetik.

Bis 1990 blieb der »Milchhof« in Betrieb und verlor trotz wirtschaftlichen und technischen Wandels weder seine Funktion noch sein ursprüngliches Aussehen. Nach der »Wende« scheiterten diverse Initiativen zur Nutzung und Restaurierung.

Mit Blick auf 2019 — 100 Jahre Bauhaus — soll hier nun daran erinnert werden, was den Geist und das Erbe dieser Architektur- und Designschule maßgebend für das 20. Jahrhundert macht. Architekt Martin Schwarz selbst war kein »Bauhäusler«, hat aber
mit dem »Milchhof« einen Bau geschaffen, der die Ideale und Vorstellungen der 1920er- und 1930er-Jahre des Bauhauses in Weimar und Dessau verkörpert. Was damals Avantgarde war, wurde später Allgemeingut. So ist der »Milchhof« heute ein Baudenkmal und immer öfter ein lebendiger Kultur-Ort.

Gut zu wissen

Milchhof Arnstadt, Quenselstraße 16, 99310 Arnstadt, www.milchhof-arnstadt.de, Tel. +49 (0)171 1208500. Besichtigungen sind nach telefonischer Voranmeldung möglich. Anreise: Bahnhof Arnstadt, Fußweg 10 Min.

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Milch & Moderne – Der Milchhof Arnstadt 50.840839, 10.951815 Quenselstraße 16, 99310 Arnstadt (Routenplaner)