von Gastautor Rainer Blechschmidt

Der Autor arbeitet als Amtsleiter in der Verwaltung der Gemeinde Frankenblick:

Der Thüringer Geschichte mit vielen Kleinstaaten entsprechend, wechselte das »Neue Schloss« in Rauenstein bis zum 18. Jahrhundert mehrmals den Besitzer. Seit 1615 ist an der Stelle über dem Ort ein solches Gebäude nachgewiesen. Nach mehreren Um- und Ausbauten stand das Schloss von 1729 bis 1783 leer und fand keine hochherrschaftliche Verwendung.

Das Thüringer Porzellan brachte die Veränderung und dem Ort Rauenstein eine neue Industrie. 1783 gründeten die Gebrüder Greiner – eine Familie von Glashüttenbesitzern – eine Produktionsstätte im Schloss. Dafür erwarben sie vom Sachsen-Meininger Herzogtum eine Konzession. Die Bausubstanz des Schlosses passten die Unternehmer mehrfach an den Produktionsablauf der Porzellanerzeugung an.

Unabhängig von seinem Konkurrenten Georg Heinrich Macheleid, der in Rudolstadt arbeitete, entwickelte Gotthelf Greiner mit Hilfe seiner praktischen Kenntnisse aus der Glasindustrie, das »Hartporzellan« mit einer speziellen Glasur. Dafür baute man um 1800 spezielle Brennöfen, die einen gleichmäßigen Formenbrand und eine effektive Produktion ermöglichten. Zu dieser Zeit waren die Greiners bereits der größte Produzent von Thüringer Porzellan. Das Gebrauchsporzellan aus Rauenstein fand Einzug in breite Schichten der Bevölkerung.

Bis 1930 stellten die Rauensteiner hier im Schloss Porzellan her. Damals stellte die Fabrik in Folge einer Insolvenz die Produktion ein und wurde bis auf einige Nebengebäude und das ursprüngliche Schloss zurückgebaut. Vier Jahre später kaufte die Gemeinde das Areal.

Nach einem neuerlichen Dornröschenschlaf als Wohn- und Verwaltungssitz wurde die Anlage mit großen Aufwand ab 1992 viele Jahre lang saniert. 2016 erhielt die Gemeinde dafür den Thüringer Denkmalschutzpreis. Heute beherbergt das »Neue Schloss« ein Museum mit einer Sammlung Rauensteiner Porzellans mit zusätzlichen Informationen zur Familie Greiner und zur Erfindung des Thüringer Porzellans. Ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt widmet sich einem anderen Produkt aus unserem Ort: Den »Schildkröt-Puppen«. Denn auch Spielzeug war und ist ein Markenzeichen unserer Region.

Gut zu wissen

Museum Neues Schloss Rauenstein, Schloßstraße 3, 96528 Frankenblick, www.frankenblick.eu, Tel. +49 (0)36766 87721. Öffnungszeiten: Di. – Fr. 11 bis 16 Uhr, Sa. – So. 13 bis 16 Uhr. Führungen auf Anfrage. Anreise: Bahnhof Rauenstein (Thür), Süd-Thüringen Bahn bzw. Regionalbus (Linien 700, 701, 720).

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Gestern Fabrik, heute Museum – Porzellan aus dem Neuen Schloss Rauenstein 50.419520, 11.052960 Schloßstraße 3, 96528, Frankenblick (OT Rauenstein) (Routenplaner)