von Gastautorin Astrid Apel

Astrid Apel 
ist Marketingfrau bei der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn:

Die Orte auf den Höhenzügen am Rande des Schwarzatals hatten es selbst nach Eröffnung der Schwarzatalbahn im Jahr 1900 nicht immer leicht. Die Bewohner mussten im Winter weiterhin ihre Materialien für die Glas- und Porzellanproduktion zu Fuß vom Tal auf den Berg transportieren: 1,4 Kilometer bei 25 Prozent Steigung. Auch beim Einsatz von Pferdefuhrwerken war dies eine kräftezehrende Arbeit. Eine Straßenverbindung oder eine normale Bahnstrecke zu bauen war damals noch unmöglich, Entwürfe für eine Zahnradbahn erwiesen sich als technisch nicht umsetzbar oder zu teuer.

Der Eisenbahningenieur Bäseler hatte schließlich die geniale Idee: eine Standseilbahn mit zwei verschiedenartigen Wagen. Ein keilförmiger Transportwagen für Güter und ein stufenförmiger Personenwagen sollten sich in der Mitte einer Strecke kreuzen. Das war die Geburtsstunde der Oberweißbacher Bergbahn, der steilsten Standseilbahn der Welt zum Transport normalspuriger Eisenbahnwagen, die hier Huckepack fahren. Sie wurde 1923 feierlich eröffnet. Schwere Materialien konnten jetzt problemlos hinauf- und fertige Waren hinabtransportiert werden. Durch den Bau der Flachstrecke wurden zudem die Bergorte ans Eisenbahnnetz angeschlossen.

Erst als die Planung einer Straße Jahrzehnte später umgesetzt wurde, stellte man den Güterverkehr 1966 auf der Bergbahn ein und erklärte sie 1980 zum »Denkmal der Produktions- und Verkehrsgeschichte«. Es blieb der Personenverkehr.

Traurige und gespannte Gesichter gab es 2001 bei der vorerst letzten Fahrt. Nicht wenige Einheimische und Mitarbeiter fuhren noch einmal mit ihrer Bahn, erinnert sich Ingo Schneider, Werkmeister und stellvertretender Betriebsleiter. Die Stilllegung war aber nicht für immer. Vielmehr sollte eine grundlegende Sanierung stattfinden, um den heutigen Stand der Technik zu erreichen. Die allgemeine Skepsis war groß.

Umso größer war die Freude bei der Wiederinbetriebnahme nur ein Jahr später. Ingo Schneider berichtet: »Um einen neuen Namen für die Bergbahn zu finden, gab es eine öffentliche Ausschreibung. Unter den vielen Einsendungen war es der Vorschlag
von Bäckermeister Ewald Matz aus Oberweißbach mit »Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn«, für welchen sich am Ende entschieden wurde«. So lassen sich heute wieder genau wie vor 100 Jahren die 323 Höhenmeter entspannt überwinden.

Gut zu wissen

Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn, An der Bergbahn 1, 98746 Mellenbach-Glasbach, www.oberweissbacher-bergbahn.com, Tel. +49 (0)36705 20134. Fahrplan: Auf der Homepage. Anreise: Bahnhof Rottenbach, Regionalbahn von Erfurt oder Saalfeld, verkehrt stündlich (ab hier gilt das Bergbahn-Tagesticket).

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Im Aufsetzwagen Huckepack – die Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn 50.604100, 11.135700 Bergbahnstraße 1, 98746 Mellenbach-Glasbach (Routenplaner)