»Die Fahner Höhe ist ein Paradies für meine Bienen« sagt uns ein Imker aus Bad Tennstedt und wedelt in der nebeligen Herbstluft unbestimmt in Richtung Süden. Wenig später sehen wir den Grund: Über eine Million Obstbäume schmiegen sich in langen Reihen entlang des Höhenzugs hinter Groß- und Kleinfahner, Gierstädt und Döllstädt. Im Frühjahr ist diese Gegend ein einziges Blütenmeer. Im Sommer beginnt dann die Ernte mit den Kirschen und endet im Herbst mit den Äpfeln. Die Äpfel leuchten zu dieser Jahreszeit rotbackig an den niedrigen Bäumen. Sie ziehen die Äste schwer nach unten – die Bienen des Imkers haben ganze Arbeit geleistet.

Die Verbesserung des Obstbaus bis hin zur industriellen Großproduktion ist tief in die Geschichte der Gegend eingeschrieben. Die Ortschronik schreibt für die Gründung des hiesigen Obstbaus das Jahr 1791 fest. In diesem Jahr pflanzte nämlich der Pfarrer von Kleinfahner, Johann Volkmar Sickler, 15 Kirschbäume. Die Pfarrer mussten damals zusätzlich einen landwirtschaftlichen Betrieb verwalten.

Bei Volkmar Sickler traf diese Aufgabe auf offene Türen: In den folgenden Jahren entwickelte er die Methoden der Obstbaumpflege und Veredelung weiter. Akribisch dokumentierte er seine Beobachtungen zu den Eigenheiten und Vorzügen der einzelnen Obstbaumsorten. Er war es auch, der die erste Obstbauzeitschrift in Deutschland herausgab. Sie erschien im Verlag des Industrie-Comptoirs. Damit aber nicht genug: Neben zahlreichen Büchern mit der Beschreibung von über 432 Obstbaumsorten war Sickler Herausgeber des Obstbaumkabinetts, naturgetreue Wachsmodelle der verschiedenen Kern-, Stein- und Schalenfrüchte. Diese sind heute im Museum der Natur in Schloss Friedenstein in Gotha zu besichtigen. Sickler schaffte es mit seinem Schaffen bis zu einer Mitgliedschaft in die Königliche Gartenbaugesellschaft in England.

Wie diese ersten 15 Kirschbäume bis heute eine ganze Gegend verwandeln konnten, erleben wir auf einer Wanderung durch die Fahnerschen Kirschdörfer. Entlang des Rückens der Fahner Höhe verläuft ein Wanderweg: Teils im Wald zwischen hohen Buchenbäumen, teils entlang der Obstbaumreihen und immer wieder mit Blick über das Thüringische Becken. Er startet in Erfurt und führt mit seinem roten Quadrat auf weißem Grund über 43 Kilometer bis in den Nationalpark Hainich. Wir wählen für heute einen der kleineren Rundwege zwischen den Dörfern.

Gut zu wissen

Start der Wanderung in Großfahner über Gierstädt nach Kleinfahner und zurück, www.vg-fahner-hoehe.de. Am letzten Aprilwochenende findet in Gierstädt das Blütenfest statt, am letzten Septemberwochenende das Erntefest. Anreise: Haltestelle Großfahner, Bus (Linie 812).

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Am Anfang waren es 15 Kirschbäume – Obstanbau an der Fahner Höhe 51.037400, 10.824194 Fahner Höhe, 99100 Großfahner (Routenplaner)