von Gastautor Rainer Schlott

Als Vorsitzender des Rhönklubzweigverein Vacha e.V. empfiehlt Rainer Schlott die Aussicht vom »Öchsen« und einen Besuch in der Vereinshütte am Berggipfel:

Als Brückenkopf an der Via Regia liegt die alte Stadt Vacha dem »Öchsen« zu Füßen. Die Gegend um den Berg ist altes Siedlungsgebiet. Bereits aus der Jungsteinzeit sind Besuche nachgewiesen. Die Kelten bauten hier um 600 v. Chr. eine 30 Hektar große Höhensiedlung und kontrollierten so das Werratal.

Der 627 Meter hohe Öchsen und sein Nachbar, der Dietrichsberg, bestehen aus 200 Millionen Jahre altem Muschelkalk und Buntsandstein, welche vom Vulkanismus vor etwa 20 Millionen Jahren durchdrungen wurden. Bei Abkühlung der beiden Schichtvulkane sonderte sich die Basaltschlacke in sechseckigen Säulen ab.

Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Basalt abgebaut. Mit Fuhrwerken oder mit Tragen brachte man das gelesene und behauene Baumaterial mühsam ins Tal. Um 1900 stieg die Nachfrage sprunghaft an: Der Grund waren der Straßenbau und die Errichtung von Eisenbahnstrecken. Dafür wurde vor allem Schotter benötigt.

Im Jahr 1897 eröffnete am Öchsen das erste Basaltwerk. Die neue Industrie expandierte. Von 1899 bis 1975 transportierte eine Drahtseilbahn den Basalt über 2,5 Kilometer zur Bahnstation in Vacha. Zu DDR-Zeiten wurden vom Berg 15 Meter abgetragen und dieser für Wanderer gesperrt. Lag die Jahresproduktion um 1900 bei 150 Güterwagons, stieg sie bis 1986 – als der Betrieb am Öchsen geschlossen wurde – bis auf 6.000 Wagonladungen. Am benachbarten Dietrichsberg wird bis heute Basalt gefördert.

Gleich nach der »Wende« wollte ein Firmenkonsortium die Produktion am Öchsen wieder aufnehmen. Durch engagierten Einsatz naturverbundener Bürger der Region konnte dies verhindert werden. 1990 wurde der Berg unter Naturschutz gestellt und bis 1992 aufwendig renaturiert. Heute ist er Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön.

Unser Verein hat die Wanderwege auf dem Öchsen und dem Dietrichsberg wieder erschlossen. Informationstafeln weisen auf Flora und Fauna und die lange Besiedlungsgeschichte der zwei Berge hin. Das 1999 auf dem Gipfel errichtete Keltenkreuz ist ein Zeichen dafür, aber auch Wegmarke für Nah- und Fernwanderwege. Hier oben lädt unsere Wander- und Vereinshütte zu einer Rast sowie einem fantastischen Rundblick über die Rhön, den Thüringer Wald und das Knüllgebirge in Hessen ein.

Gut zu wissen

Öchsenberg mit Vereinshütte Rhönklubzweigverein Vacha e.V., 36404 Vacha, www.rhoenklub-vacha.de. Öffnungszeiten Hütte: Apr. – Okt. an So. und Thüringer Feiertagen 10 bis 18 Uhr. Anreise: Bahnhöfe Bad Hersfeld bzw. Bad Salzungen (Regionalbahn), weiter mit dem Bus (Bäderlinie) bis Vacha.

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Vulkan mit Industriegeschichte – der Öchsenberg bei Vacha 50.803006, 10.026226 Öchsenberg, 36404 Vacha (Routenplaner)