Im Tal der Ohra gab es in vergangenen Jahrhunderten eine ganze Reihe von Hammerwerken, deren Gehämmer weithin hörbar war. Übrig geblieben am Rande des Thüringer Waldes ist nur der 1482 erbaute Tobiashammer zwischen Ohrdruf und Luisenthal, Technisches Denkmal Tobiashammer Ohrdruf/Thür. – so der offizielle Name. Alles, was dort seit 1983 liebevoll zusammengetragen worden ist, wird in authentischen Werkstätten präsentiert. Vieles davon kann bei den regelmäßigen Vorführungen in Funktion bestaunt werden.

An einem Blechwalzwerk erlebt der Besucher, wie mühselig und zeitraubend dort immer dünner werdende Bleche entstehen. Erstaunlich, wie große Wasserräder außen am Gebäude die Getriebe über ins Haus führende Wellen kraftvoll anpacken und somit die Walzen ans Arbeiten bringen. Aber viel mehr noch faszinieren mich die Fallhämmer, die nebeneinander angebracht sind und ebenfalls über Wasserräder angetrieben sind. Dann stelle ich mir vor, wie durch Menschen, die beispielsweise ein Kupferblech halten, drehen und ziehen mussten, an einem Tiefhammer mit einer Masse von 180 Kilogramm, Kessel für Pauken oder Waschzuber gefertigt wurden. Ohrenbetäubend muss der Lärm gewesen sein, wenn dann gleichzeitig und immer unter Gefahr an mehreren Hämmern gearbeitet wurde. Selbst jetzt, bei nur noch einem in Betrieb befindlichen Eisenhammer, halte ich mir wie andere Besucher dann doch lieber die Ohren zu!

Ruhiger und beschaulicher geht es draußen am Wassereinlauf für die Mühlräder zu. Da überkommen mich fast romantische Gefühle. Im angrenzenden Skulpturenpark sind phantasievolle wie auch abstrakte Kunstwerke zu bewundern, die bei den jährlich stattfindenden Schmiedesymposien entstanden sind. Doch solche Emotionen sind schnell verflogen, wenn es auf der anderen Seite der Ohra in eine große Fachwerkscheune geht. Dort steht aus neuerer Zeit und im Jahr 1985 stillgelegt, eine 12.000 PS starke Dampfmaschine aus der Maxhütte Unterwellenborn. Sie diente zum Antrieb einer Formstahlstraße zur Produktion von Bahnschienen, LKW-Felgen und Ähnlichem. Diese imposante Anlage kam 1988 in den Tobiashammer. Heute setzt ein Elektromotor auf Knopfdruck die Dampfmaschine in Bewegung. So wird im Tobiashammer voller Stolz Industriegeschichte über mehrere Jahrhunderte hinweg gezeigt.

Gut zu wissen

Technisches Denkmal Tobiashammer, Suhler Straße 34, 99885 Ohrdruf, www.tobiashammer.de, Tel. +49 (0)3624 402792. Öffnungszeiten: Mi. – So. 10 bis 18 Uhr (Nov. bis Apr. bis 17 Uhr), letzter Einlass eine Stunde vor Schließung. Montag und Dienstag Ruhetag. Anreise: Haltestelle Tobiashammer, Bus (Linie 860), weitere Busverbindungen von Haltestelle Ohrdruf Kirche.

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Bei Ohrdruf wird wie wild gehämmert – der Tobiashammer 50.801730, 10.731690 Suhler Straße 34, 99885 Ohrdruf (Routenplaner)