von Gastautor Frank Heinzig

Der Autor ist Vorsitzender des Traditionsvereins Papierfabrik Fockendorf e.V. und war über 40 Jahre in der Papierindustrie tätig:

Fockendorf liegt ganz im Osten von Thüringen im Altenburger Land. 1272 wurde es erstmals urkundlich erwähnt. Eine weitere Niederschrift aus dem Jahr 1445 rührt vom Verkauf der Fockendorfer Mahlmühle her, die im Laufe der Zeit mehrmals den Besitzer wechselte. 1690 wurde die Mühle nach einem kaltblütigen Mord – der Müllerbursche tötete den Müller, weil er dessen Frau begehrte – an einen Altenburger Amtmann und Hofrat verkauft.

Der neue Besitzer ließ die alte Mühle abreißen und zwei neue bauen, eine Mahl- und eine Papiermühle. So begann ab 1692 die Papierherstellung als rein manuelles Handwerk. Im Handschöpfverfahren wurde Büttenpapier hergestellt. Ab 1861 begann in Fockendorf die maschinelle Produktion. Schnell entstand hier eine der größten und modernsten Papierfabriken in Mitteldeutschland. 1885 ging die damals größte Papiermaschine Europas in Betrieb. In dieser Zeit wurden Schreibpapier sowie Zeitungs- und Buchdruckpapier für verschiedene Druckverfahren hergestellt und bis nach Südamerika und Indien exportiert.

1946 wurde die Papierfabrik Fockendorf total demontiert und als Reparationsleistung in die Sowjetunion verbracht. Aber schon drei Jahre später ging hier wieder eine Papiermaschine in Betrieb. Es war die erste, die in der Ostzone neu in Gang gesetzt worden war, allerdings eine aus gebrauchten Teilen verschiedener Herkunft. Aber sie funktionierte.

Noch bis 1993 wurde hier Kraftpapier für Säcke und Tragetaschen hergestellt. Nach dem Ende der Produktion gründeten 1996 engagierte Papierwerker/innen den Traditionsverein Papierfabrik Fockendorf e.V., um die über dreihundertjährige Geschichte der Papierherstellung des Ortes zu bewahren. Die Gemeinde kaufte das Fabrikgelände und 2004 konnte das Papiermuseum eröffnet werden.

Hier werden manuelle und maschinelle Techniken der Papierherstellung vorgeführt. Im Freilichtmuseum sind ein funktionierendes Wasserkraftwerk mit einem neuen Wasserrad sowie diverse Maschinen zu sehen. Historisch interessant und einzigartig in Thüringen sind unsere Sammlung handgeschöpfter Papiere mit Wasserzeichen und die umfangreiche Bibliothek zum Thema Papier(geschichte).

Gut zu wissen

Papiermuseum, Fabrikstraße 10, 04617 Fockendorf, papiermuseum.net. Öffnungszeiten: Mrz. bis Nov. jeden letzten Sa. im Monat 10 bis 17 Uhr oder täglich nach Vereinbarung. Auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik befindet sich auch das Oldtimer- und Technikmuseum sowie das Heimatmuseum. Anreise: Bahnhof Treben-Lehma (Regionalbahn), weiter zu Fuß (ca. 2,5 km).

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Papier aus Fockendorf und seine Geschichte 51.045910, 12.468430 Fabrikstraße 10, 04617 Fockendorf (Routenplaner)