von Gastautor André Nawrotzki

André Nawrotzki ist Designer und Verleger:

Die meisten fahren an Wöllnitz, einem kleinen Ortsteil von Jena auf halber Strecke zwischen dem Stadtzentrum und der Autobahn, vorbei. Auch wenn die Kirche an der »Stadtautobahn« steht, bleibt der größere Teil des ehemals eigenständigen Dörfchens verborgen. Dabei lohnt es sich zu rasten und dem Weg in das Pennickental zu folgen. Stetig geht es leicht bergan. Bald lockert die Bebauung auf und der gut zu laufende Weg folgt einem Gurgeln – dem Bach mit glasklarem Wasser. Letztendlich ist er es, dem das Tal seine Entstehung verdankt und auch, dass es heute als Bergbaufolgelandschaft gilt.

Die Landschaft links und rechts des Weges bekommt etwas Geheimnisvolles. Bäume, manchmal fast urwaldartiges Gestrüpp und dazwischen hie und da ein Gepräge, das nicht der Bach geschaffen haben kann. Menschen waren es, die sich über Jahrzehnte das, was der Bach vor Jahrtausenden Schicht für Schicht als Tuffstein abgelagert hatte, zunutze machten. War es zunächst Travertin, ein Naturstein der auch im Weimarer Schloss verbaut wurde, dienten später vor allem die lockereren Bestandteile zur Herstellung von ungebrannten Ziegelsteinen als Baumaterial für weniger Betuchte. Die aufkommende Industrie entdeckte das Material als idealen Rohstoff für die Herstellung von Branntkalk und schließlich nutzen ihn Zahnpasta-Produzenten wie Chlorodont. Auch lange nach Ende des Abbaus, seit den 1960er Jahren und nach der teilweise Verfüllung der Brüche mit Abfällen zum Beispiel der Firma SCHOTT, erinnern noch die Namen der Brüche an diese vergangene Zeit – so der Blendax-Bruch. Zehn Steinbrüche gab es insgesamt im Tal. Stück für Stück erobert sich nun die Natur alles zurück, aber noch lange werden die Spuren alter Wege, die Gleisbetten von Lorenbahnen und die scharfen Schnitte der Abbaukanten sichtbar bleiben.

Am Ende unseres Weges gelangen wir zum Fürstenbrunnen. Dort wurde im September 1552 Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige, der Gründer der Jenaer Universität, nach der Entlassung aus kaiserlicher Gefangenschaft von Bürgern und Studenten der Stadt empfangen. Der Brunnen ist eine jener Quellen, welche die Landschaft, durch die uns unser Weg führt, mit ihren Bächen gestalteten. Einen Schluck vom wohlschmeckenden Wasser haben wir uns verdient.

Gut zu wissen

Wöllnitzer Kirche, Unterdorfstraße 8A, 07749 Jena. Die Kirche ist Ausgangspunkt für die Wanderung zum Fürstenbrunnen. Von dort ist ein Rundweg zurück nach Wöllnitz ausgeschildert. Anreise: Haltestelle Jena-Wöllnitz, Bus (Linien 820, 964).

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Bergbaufolgelandschaft unterm Fürstenbrunnen in Jena 50.905469, 11.609287 Unterdorfstraße 8A, 07749 Jena (Routenplaner)