von Gastautorin Marika Rosenbusch

Marika Rosenbusch ist Prokuristin und verantwortlich für Marketing und Verkauf im Familienbetrieb:

1877 hatte unser Ur-Ur-Großvater Bernhard Wagner hier den Grundstein gelegt, wo heute noch engagierte »Porzelliner« mit viel handwerklichem Geschick modellieren, formen, malen, spritzen und Freude an der Entstehung formschöner Figuren aus Porzellan haben. Nach der kompletten Verstaatlichung des Familienbetriebes 1972 und der drohenden Stilllegung Ende der 1980er Jahre, kam die »Wende« und für uns die Möglichkeit der Reprivatisierung.

Der Familienrat wurde einberufen: Unser Vater Hans kannte die Firma aus dem Effeff, war seit 1963 hier Chef – einst Betriebsdirektor, zuletzt Abteilungsleiter – und sollte es bleiben. Unsere Mutter Inge, bis 1980 seine »rechte Hand«, dann zehn Jahre aus ihrem eigenen Betrieb verbannt, war Exportspezialistin. Gina, meine Schwester, gelernter Modelleur mit Ausbildung in Meißen, hat die Kreativität unserer Vorfahren. Ich selbst bin Finanzökonom. Zum 1. Juli 1990 erfolgten die Wiederübernahme in Privatbesitz und danach zähe Verhandlungen mit der Treuhand. Nach dreieinhalb Jahren kam die Zusage, eine neue Produktionshalle bauen zu dürfen, die im Februar 1996 bezugsfertig war. Die Arbeiter hatten nach über sechs Jahren endlich einen warmen und trockenen Arbeitsplatz. Die alte marode Fabrik wurde nun als Verkaufsfläche genutzt. Von außen mit Asbestschiefer verkleidet, Dach und Fenster kaputt, lud sie nicht gerade zum Verweilen ein.

Mitte der 1990er Jahre wurde die Denkmalpflege auf unsere Manufaktur aufmerksam, denn in ihr schlummerten die Schätze der Blütezeit des Industriezweiges Porzellan: ein Dampflokomobil von 1937, Trommeln und Rührwerke der Massemühle, Kapselbrecher, die alten Rundbrandöfen und der komplette Formenschatz. Zum 125. Firmenjubiläum wurde die restaurierte Porzellanmanufaktur der Nachwelt übergeben. Voller Stolz erhielten wir 2005 den Thüringischen Denkmalschutzpreis.

Heute können auch Gäste die Porzellanmanufaktur besuchen, um sie individuell oder während einer Führung zu erkunden und unseren Erläuterungen zu lauschen. Schaut zu, wie unter den Händen der »Porzelliner« wahrhafte Kunstwerke entstehen! Ihr könnt diese natürlich auch kaufen. Im alten Brennhaus könnt ihr anschließend genüsslich bei Kaffee und Kuchen unsere Gastlichkeit genießen.

Gut zu wissen

Wagner & Apel GmbH Porzellanfiguren Lippelsdorf, Lippelsdorf 54, 98743 Gräfenthal/Thüringen, www.wagner-apel.de, Tel. +49 (0)36701 61071. Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 9 bis 17 Uhr und häufig auch am Wochenende. Anreise: Haltestelle Lippelsdorf, Bus (Linien 405, 407).

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Porzellanfiguren aus Lippelsdorf – eine Familiengeschichte 50.526558, 11.239302 Lippelsdorf 54, 98743 Gräfenthal (Routenplaner)