von Gastautorin Heidi Pinkepank

Heidi Pinkepank ging wie auch ihre Eltern in Ruhla zur Schule. Ihr Großvater war in Ruhla Medizinalrat und am dortigen Krankenhaus tätig:

Der Schulhof des Albert-Schweitzer-Gymnasiums war bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Kurplatz von Ruhla, umgeben vom Stadtbad, dem herzöglichen Forsthaus und vom Hotel Bellevue in Hanglage. Das Forsthaus wurde ab 1754 Kurhaus und wird seit 1805 als Schulgebäude genutzt, aus dem Hotel wurde 1946 ein Krankenhaus, das heute leer steht. Das Schulhauptgebäude kam 1914 zum Ensemble hinzu.

Neben der Bedeutung Ruhlas als Heilbad im 18. Jahrhundert und seiner Bekanntheit als »Mekka für Pfeifenraucher« – aus dem Mineral Sepiolith, einem seltenen Magnesiumsilikat, wurden hier Meerschaumpfeifen gefertigt – entwickelte sich der Ort vor allem mit der Expansion der Metallwarenfabrikation zur Industriestadt.

»Der Schmied von Ruhla« – als bekannte Sagengestalt und im Stadtwappen zu finden – zeigt die Bedeutung der Metallverarbeitung seit jeher. Kleine Metallwarenfabriken, die in der Köhlergasse, der ältesten Straße der Stadt entstanden, produzierten Beschläge für Schuhsohlen und Messingzubehör für Pfeifen. Das Unternehmen der Gebrüder Thiel expandierte schnell mit der Herstellung von Bierzähler- und Kinderspieluhren und entwickelte sich alsbald zu einem der bedeutendsten Standorte der Uhrenherstellung in Deutschland. Auf die Produktion von Schaltern und anderen elektrischen Fahrzeugteilen spezialisierte sich Otto Schlothauer & Söhne und wurde 1968 zum VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla. Hauptkunde war unter anderem das Automobilwerk Eisenach.

1926 bis 1928 entstand, unter der Leitung des Architekten Thilo Schoder, in der Altensteiner Straße, ein Bauensemble mit Sozialwohnungen. Außerdem wurden ein Postamt, ein neues Stadtbad, ein Freibad, ein Stadion und vier Sprungschanzen errichtet. Heute noch werden die Besucher der Stadt durch das ehemalige Verwaltungsgebäude der Uhrenwerke Ruhla (UWR), 1937 von Schreiter & Schlag geplant, in der Bahnhofstraße empfangen. Bis 1967 hatte hier die »Rühler Bimmel«, eine Eisenbahnlinie zwischen Wutha und Ruhla, noch ihre Endstation. Highlight der Nachkriegsmoderne ist das 1951 errichtete Kulturhaus der Stadt. Ein Großteil der Werksgebäude wurde zurückgebaut. Doch der UWR-Nachkömmling »Gardé Uhren und Feinmechanik Ruhla« nutzt die Hinterlassenschaften für seine Produktion und ein Uhrenmuseum.

Gut zu wissen

Gardé Uhren und Feinmechanik Ruhla GmbH (Uhrenmuseum, Schauwerkstatt und Werksverkauf), Bahnhofstraße 27, 99842 Ruhla, www.ruhla.de, Tel. +49 (0)36929 700. Öffnungszeiten: Mo. – Do. 10 bis 16.30 Uhr, Fr. bis 15 Uhr, Sa. bis 14 Uhr. Anreise: Haltestelle Bahnhof Ruhla, Regionalbus (Linien 41, 43, 71).

Karte wird geladen - bitte warten...

Ruhla im Takt der Zeit – Stadt der Uhren, Pfeifen und Schalter 50.902906, 10.367499 Bahnhofstraße 27, 99842 Ruhla (Routenplaner)