von Gastautor Otmar Hartenstein

Der Autor arbeitete sein ganzes Berufsleben im Marmorwerk Saalburg:

Die Lage Saalburgs im tief eingeschnittenen Saaletal war seit jeher ungünstig für die Ansiedelung größerer Betriebe. Mit der einsetzenden Industrialisierung gingen die Handwerksbetriebe bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nach und nach zugrunde. Mitten in diese ausweglos scheinende Situation hinein wurde 1888 in der Herrenmühle oberhalb des Ortes eine Marmorschleiferei in Betrieb genommen, die im Laufe der nächsten 20 Jahre zum zweitgrößten Marmorwerk Deutschlands heranwuchs.

Möglich wurde die rasante Entwicklung durch den Bauboom der Gründerzeitjahre, welcher der Natursteinindustrie einen beispiellosen Aufschwung bescherte. Insbesondere Berlin war dabei, sich von der bescheidenen preußischen Hauptstadt zur kaiserlichen Weltstadt zu mausern. So geschah es, dass sich der als »Baumeister der Berliner Oberschicht« bekannte Architekt Christian Heidecke mit dem aus Thüringen stammenden Bauunternehmer Magnus Rödel zusammentat, der bei Saalburg auf farblich ansprechende Kalksteinvorkommen gestoßen war.

Mit dem Bau der Bleilochtalsperre versank die Herrenmühle in den Fluten des »Thüringer Meeres«. Für den Betrieb ein Glücksfall: Mussten die tonnenschweren schweren Rohlöcke bislang über eine eingeschränkt belastbare Holzbrücke über den Fluss transportiert werden, erfolgte der Neuaufbau im Jahr 1931 am neuen Bahnhof. Von dort aus eroberten »Meergrün« und andere Marmorerzeugnisse die Welt. Stets haben nur tadellose Werkstücke das Werk verlassen, landes- und weltweit ging ihm ein guter Ruf voraus. In Berlin legen Dom und Staatsoper, in Dresden das Altmarktensemble und in Leipzig die Oper davon Zeugis ab.

Zu DDR-Zeiten überstiegen die Großaufträge aus Berlin das vorhandene Natursteinmaterial – die Geburtsstunde der Agglomeratplatte aus Marmorbruch und Zement war gekommen. Betrieb und Belegschaft ging es gut: Soziale und kulturelle Einrichtungen entstanden, 1970 wurde der erste moderne Wohnblock errichtet, es folgten Sportplatz und Sportlerheim. Heute beschäftigt die Saalburger Marmor GmbH noch drei Mitarbeiter.

Gut zu wissen

Fahrgastschifffahrt Saalburg GmbH, Am Torbogen 1, 07929 Saalburg-Ebersdorf,
www.saalburg-ebersdorf.de/touristinformation/schifffahrt,  Ergänzende Informationen: Die ursprüngliche Firmenstandort befindet sich heute am Grund des Stausees. Das »Thüringer Meer« lässt sich am besten bei einer Schiffsfahrt oder einer 54 Kilometer langen Mountainbike-Rundtour erkunden. Anreise: Haltestelle Saalburg Kloster Gasthaus, Bus (Linien 610, 730).

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Marmor aus Saalburg – Marmorplatten für die Welt 50.499513, 11.729398 Am Torbogen 1, 07929 Saalburg-Ebersdorf (Routenplaner)